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Es sind die Begegnungen mit Menschen...

Larache / Rabat (Marokko)

Nach dem nervenaufreibenden Grenzübertritt wollten wir nun mal eine kleine Verschnaufpause einlegen und Marokko auf uns wirken lassen. Es ist wie ein Tor in eine neue Welt....als wenn man die Zeit viele Jahre zurück gedreht hätte. Kulturschock pur! Das müssen wir erst einmal sacken lassen. 

 

In Larache haben wir einen angenehmen Stellplatz gefunden. Es ist schon komisch, wenn man auf einmal auf der Straße nur noch Frauen mit Schleier sieht. Die Burka wurde kürzlich vom König zwar innerhalb 48 Std verboten (komisch, dass selbst Deutschland das nicht hinkriegt), aber es scheint uns so, als hält sich nicht jeder daran. Es ist anders hier, aber nicht unbedingt "schlechter". Bei der Einfahrt auf den Campingplatz wurden wir mit einem breiten marokkanischen Grinsen winkend begrüßt. Wir wurden so herzlich empfangen wie noch nie zuvor. Man freute sich auf unsere Ankunft und wir glauben, dass diese Freude auch echt war. Keiner war aufdringlich, die Gärtner haben weiträumig um uns herum gearbeitet um uns bloß nicht zu stören. Wenn wir etwas brauchten, kam man uns zuvor und bot ohne Zögern Hilfe an. Wir sind positiv überrascht! Beim Spaziergang über den Platz machte Merlin Bekanntschaft mit den ersten Straßenhunden, zwei niedliche kleine Welpen, die sich sehr über uns freuten. Sie tänzelten schwanzwedelnd um Merlin's Beine herum, der sie dann auch großzügig an seinen Wassernapf ran gelassen hat. Wir wurden mit einem lächelnden "Salam" begrüßt und Zoe-Maus bekam direkt von zwei Frauen im Kopftuch Schmatzer auf die Wange und die Hand gedrückt....ungewohnt, aber Zoe schien ihre Herzlichkeit zu spüren und beobachtete alles mit ihren großen Kulleraugen. Die Marokkaner lieben Kinder und zeigen dies auch gerne.

 

Heute, an so einem tollen Tag, war genau der richtige Zeitpunkt, um unser andalusisches Steak auf unserem neuen Gasgrill zuzubereiten. Es schmeckte uns allen hervorragend. Zoe war so damit beschäftigt, ihr Fleischstück zu "bezuzeln", dass sie doch glatt mit dem Fleischstück im Mund und dem Kopf auf der Tischplatte eingeschlafen ist :)

 

Am nächsten Tag, nach einem seeehr frühen Weckruf aus der Moschee nebenan starteten wir gut gelaunt in den Tag. Heute wollten wir uns um unsere grüne Versicherungskarte kümmern. Wir hatten von unserer Versicherung ja blitzschnell eine abgeänderte fehlerlose Grüne Karte per eMail zugeschickt bekommen. Aber wo sollen wir nun bitte in Farbe drucken?? Ich schlenderte wieder mit Zoe über den Platz und fragte den Platzwart, ob er wüsste, wo wir in guter Qualität drucken könnten. "Pas de problème, madame".... fünf Minuten später stand er mit gepackter Tasche vor unserem LKW (er klopfte aus Höflichkeit nicht mal an unsere Tür) und begleitete Daniel in die Stadt zu einem Drucker-Geschäft. Daniel hatte zwar Probleme mit der arabischen Tastatur, die ist nämlich mehrfach belegt, aber letztenendes hat alles super geklappt. Dem Platzwart wollten wir als Dank ein Trinkgeld geben, doch das wies er mit einer Hand auf seinem Herzen ab und bat uns, das Geld wieder einzustecken. Wir haben ihm das Geld dann einfach auf den Tisch gelegt.

 

Unsere nächste Stadt sollte Rabat werden. Die Hauptstadt Marokkos ist laut Reiseführer überhaupt nicht touristisch belagert, was uns sehr sympathisch vorkam. Wir suchten uns im Vorfeld gleich zwei mögliche Stellplätze heraus, wo wir die Nacht in Rabat sicher verbringen können. Der Norden von Marokko, insbesondere die Städte, sind in Punkto Sicherheit bei Nacht mit Vorsicht zu genießen und deshalb soll man nur bewachte Parkplätze anfahren. Wir fühlten uns gut vorbereitet und tuckerten los.

 

Rabat....was soll man sagen...puhh. Das ist Marokko! Vorbei an gefühlt 300 Polizisten, die alle 50 Meter ab der Stadteinfahrt im Wechsel mit den in voller Montur und geladenen Waffen stehenden Militärposten wie eine Perlenkette am Wegesrand aufgereiht sind. Überall ziehen sie Fahrzeuge heraus, überall Straßenkontrollen. Aber nach einem kurzen Blick ins Fahrerhaus mit Baby auf dem Schoß und einem zweiten Blick auf unser deutsches Kennzeichen winkte man uns nur immer wieder mit einem breiten Grinsen freundlich weiter. Hatten wir uns in einem unserer letzten Blogeinträge ernsthaft über die spanische Fahrweise ausgelassen?! ... Nun können wir darüber nur lachen, denn Marokko ist tausendmal schlimmer!!

Taxis werden bis auf den letzten Zentimeter mit schätzungsweise acht Personen vollgestopft... da wo der Schaltknüppel ist, wird einfach ein Schaumstoffpolster mit Loch reingelegt, damit dort noch eine weitere Person Platz findet. Aus dreispurigen Straßen werden fünf- oder sogar sechsspurige gemacht. Es wird gehupt was das Zeug hält und man fährt nach dem Prinzip "Wer am schnellsten reinzieht hat Vorfahrt". Reißverschlussverfahren Fehlanzeige, das kennt man nicht. Polizisten regeln den Verkehr in jedem Kreisverkehr, denn sonst würde es wohl eine Massenkarambolage geben. Und wenn man einen Polizisten kennt, dann hält man ganz einfach mitten auf der Straße auf einen Plausch an und raucht zusammen ein schnelles Zigarettchen. Alte Menschen mit Stock bleiben mitten auf der Straße stehen, um sich einfach mal ein wenig umzuschauen und es ist eine Selbstverständlichkeit, dass die Autos drum herum fahren ohne zu hupen. Und überhaupt, die Autos sind alle ganz schön verbeult. Die Busse sind so demoliert, dass sie nur noch mit Tape zusammen gehalten werden. Wir wundern uns, wie die noch fahren können. Daniel steht der Schweiß beim Fahren auf der Stirn....wir haben wirklich Angst, dass unser Bolle eine Schramme abkriegt.

 

Rabat erscheint uns als eine sehr gegensätzliche Stadt. Es gibt extrem viele Armutsviertel, die Menschen hausen dort regelrecht in alten Bruchbuden. Und schon auf der gegenüberliegenden Straßenseite wird fleißig eine nagelneue Strandpromenade gebaut.... es ist irgendwie paradox!

Der erste Stellplatz war übrigens nicht mehr da, den gab es einfach nicht mehr. Der zweite Stellplatz war voll, denn es war der einzigste in der Stadt. So und nun? Es war bereits nachmittag und bald würde es dunkel werden. Wir waren hungrig und deshalb suchten wir uns einen bewachten Lehmplatz mitten am Meer. Vorbei an zwei jungen Marokkanern beobachten wir, dass diese bei der Ausfahrt vom Platz Geld kassieren. Ok, kein Problem, Hauptsache erstmal etwas essen und einen neuen Plan schmieden. 

 

Nachdem wir uns gestärkt hatten und wieder vom Platz rausfahren wollten, steckten wir den Jungs das Geld entgegen. Wie auch in Larache legte einer der beiden Jungs, er heißt Tarik, seine Hand aufs Herz und winkte ab. Er möchte kein Geld, wir wären sein Gast. Wir bedankten uns und fragten ihn, ob er einen sicheren Stellplatz für die Nacht wüsste, denn der Lehmplatz war nachts nicht bewacht. Nach kurzem überlegen winkte er Daniel aus dem Auto raus. Er sollte ihm folgen. Daniel und ich schauten uns an und überlegten, ob er nun wirklich einfach mitgehen sollte. Gesagt, getan. Er zeigte ihm hinter der Häuserreihe einen kleinen Marktplatz, auf dem eine Moschee stand. Auf der Straße wurde Brot gebacken und Autos repariert. Tarik versicherte uns, dass ein Aufpasser auf dem Marktplatz unser Auto im Auge behalten würde. Wir hätten auch in seinem Hause Gast sein dürfen, was wir aber dankend ablehnten. Wir entschieden uns für eine Nacht vor der Moschee. Im Handumdrehen parkte man für uns extra Autos um und schafft Platz für unseren tonnenschweren Bolle. Wahnsinn!! 

 

Am, nächsten Morgen wurden wir durch den Gebetsruf des Muezzin geweckt. Unser Frühstück kauften wir von einer marokkanischen Frau am Straßenrand, die dort etwas leckeres pfannkuchenartiges backte. Als wir losfuhren, schnitt uns plötzlich ein Auto. Wir waren total erschrocken! Aber raus sprang Tarik, der sich verabschieden wollte. Er hatte sich extra zu uns fahren lassen um uns noch zu erwischen :)

 

Wir freuen uns darüber, so eine tolle Erfahrung mit den Menschen dort gemacht zu haben. Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen. Und noch so ein schlauer Spruch ;):

 

Reisen veredelt den Geist und räumt mit unseren Vorurteilen auf. Wie wahr.....

 

Bis demnächst..... dann erzählen wir euch über unsern Aufenthalt im völlig gegensätzlichen Marrakesch!


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Kommentare: 4
  • #1

    Carmen und Luca (Dienstag, 31 Januar 2017 06:10)

    Guten Morgen nach Marokko. Yuppi, ich bin die erste bei diesem Blog :-).
    Freut uns riesig von euch zu hören. Ein anderer Kontinent verschafft einem viele neue Erlebnisse und Eindrücke. Schön das diese bisher so positiv sind und hoffen, dass dies so für euch bleibt. Hier ist zur Zeit richtiges Schmuddelwetter, aber es wird zunehmend bunter durch die 5. Jahreszeit und die Kostümfrage beschäftigt uns gerade täglich.

    Passt gut auf euch auf. Wir haben euch lieb.

  • #2

    Marly (Dienstag, 31 Januar 2017 08:25)

    Hallo Ihr Lieben. Habe lange kein so spannendes "Buch" mehr gelesen. Eure Berichte sind so lebhaft, dass man das Gefühl hat, alles selbst erlebt zu haben. Freut mich/uns, dass es Euch gut geht und ihr inzwischen heil in Marrakesch gelandet seid. Freue mich schon auf diesen Erlebnisbericht. Da kommt Fernweh auf. Ich beneide Euch um Eure Jugend und Unternehmungslust. Seufzzz. Ach, wie das Leben so spielt: ich lebe jetzt in Franken und Carmen in meiner Heimat (mir geht die 5. Jahreszeit ab).
    Genießt alles in vollen Zügen und lasst Euch nichts vermiesen. Wir drücken Euch und für die kleine Maus einen dicken Schmatz. Herzlichst Eure Marly und Det

  • #3

    Jana (Mittwoch, 01 Februar 2017 18:35)

    Huhu ihr lieben, es freut uns sehr doll von euch zu hören! klingt beeindruckend und herzerwärmend :-))
    Schickt doch auch mal wieder ein bild von Merlin bitte?

    Kommt gut und sicher weiter!
    :-*

  • #4

    GloBulli Team (Sonntag, 12 Februar 2017 19:13)

    Hey ho zusammen,
    nachdem wir heute etwas Internet haben, können wir endlich auch etwas zu Euren Kommentaren schreiben :)
    Heute haben wir auch ein blödes Wetter es regnet und zwar so richtig! Sind mal gespannt wie morgen die Straßenverhältnisse sind, hier gibt es kaum oder gar keine Kanalisation.
    Ziemlich aufregend alles.
    Wir sind froh das wir die Möglichkeit haben dies alles so zu machen.

    Merlin darf demnächst mal seinen eigenen Blog Eintrag abgeben :)
    Mal gucken was da so raus kommt!

    LG aus Marokko
    die GloBulli´s