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Grenzübertritt mit Hindernissen

Algeciras (Spanien) / Tanger Med (Marokko)

Wir sind in Algeciras angekommen und bisher verlief alles relativ reibungslos. Unser Bolle macht das super!

 

Das letzte Mal auf europäischem Boden hieß es für uns, nochmal alle Tanks aufzufüllen und die letzten Besorgungen zu machen. Am wichtigsten für uns war, Zoe-Maus vom Arzt durchchecken zu lassen, da wir kein Risiko eingehen wollen. Also noch schnell eine spanische Ärztin ausfindig gemacht und dort hin gegurkt......nach 1,5 Std. Wartezeit bei einer netten Arzthelferin kam dann auch endlich mal die Ärztin in die Praxis reinspaziert. Gut, dass wir keinen Zeitdruck haben. Zoe wurde dann auch ratzfatz untersucht, hat noch ein Medikament bekommen und wir erhielten das "Go"für die Reise nach Afrika. Puh, das wäre dann schonmal geschafft. Nun heißt es, Bolle wieder heile aus der Stadt rauschauffieren...

 

Jetzt mussten wir noch unser Fährticket kaufen. Es wird ernst! Für 210 Euro haben wir ein Hin- und Rückfahrtsticket bei Carlos gekauft. Er ist bei Overlandern bekannt für seine günstigen Tickets. Wir erhielten Unterstützung bei den Grenzformalitäten und Kuchen sowie eine Flasche Wein gab es auch noch dazu.

 

Die Aufregung steigt! Morgen geht es innerhalb von 45 Min Fährfahrt auf einen anderen Kontinent, und das auch noch mit dem eigenen Auto... Mega!

 

Aufstehn! Was für eine unruhige Nacht für mich und Ela. Zoe und Merlin hingegen waren tiefenentspannt. Aufstehen, anziehen, die kleine Maus fertig machen, mit Merlin noch eine Runde Fußball auf dem Platz spielen und Gassi gehen und dann ab ins Fahrerhaus .... on the way noch einen Kaffee zum Start in den Tag erwischen.

 

Der Hafen von Algeciras ist riesig. Man fährt über eine große Brücke zum Anlegehafen für alle Fähren Richtung Afrika. Ein kurzer Check-In und schon stehen wir inmitten von vielen LKW's und Autos in der Schlange vor der Fähre. Zuerst müssen alle LKW's drauf...rückwärts! Da sind gute Fahrkünste gefragt! Sie lenken ihre mehrachsigen Brummis gekonnt mit einem Arm aus dem Fenster hängend ganz easy peasy den engen Steg rauf auf die Fähre. Wir hoffen, dass wir das auch so gut hinkriegen und uns nicht vor all den Zuschauern lächerlich machen würden. Nun waren wir dran...puuuh nochmal Glück gehabt! wir durften vorwärts rein ;)

Die Fähre legt ab...es geht los! Hui wie spannend! Zoe verpasst den Trubel, denn durch das Geschaukel ist sie schnell eingeschlafen. Ela hingegen ist schlecht ;) Merlin darf nicht mit an Deck und darf solange in gewohnter Umgebung auf unseren Bolle aufpassen. Auf dem Schiff erledigen wir dann noch die Grenzformalitäten und bekommen unseren Stempel in den Reisepass. Zoe's erster Stempel! :) Wir sind stolz! Nach einer kurzen Schaukelei haben wir dann auch schon den Hafen Tanger Med erreicht und dürfen zur Grenzkontrolle.

 

Man sollte an dieser Stelle erwähnen, dass es in Marokko zwei No-Go's gibt: 

  1. Sage nie etwas Negatives über den marokkanischen König.
  2. Behaupte nie...niemals, dass es eine Grenze zwischen Marokko und der Westsahara gibt.

Für ersteres gibt es garkeine Grund, denn der König ist scheinbar sehr liberal und modern. Letzteres hingegen ist etwas schwierig, den auf fast allen Karten ist zwischen den beiden Gebieten eine Grenze eingezeichnet. Hier herrscht ein ewiger Konflikt. Kurz umrissen: Marokko besteht darauf, das die Westsahara zu ihnen gehört, die Aufständigen der Westsahara hingegen möchten unabhängig sein. Momentan wird die Westsahara von Marokko verwaltet. Wer auf seiner Landkarte eine Grenze drin hat, bekommt richtig Probleme. Dies wussten wir bis dato jedoch noch nicht!

 

Am Sicherheitsposten in Tanger Med angekommen gingen die Beamten um unser Auto und betrachteten unsere Afrikakarte. Dort war ein Grenzstrich vorhanden, den wir zuvor in Algeciras noch fein säuberlich mit dunklem Tape zugeklebt hatten um Wohlwollen zu signalisieren und auch ja keine Probleme zu bekommen. Naja.... es kam anders! Da puhlt doch tatsächlich der erste Beamte einfach dieses Tape von unserer Karte ab. Dann kam ein zweiter Beamte und fängt an, mit seinem Kugelschreiber wild und aggressiv auf unserer Kabinenseite rumzumalen.....er malt mehrfach große Kreise um Marokko und sagt "C'est tout Marocco....no border!". Er ist ganz außer sich. Er hat dabei nicht nur unseren Aufkleber angemalt, sondern daneben den Lack unserer Kabine gleich mit. Es wurden immer mehr Beamte. Sie fotografierten die Kabine und unsere Pässe und schickten es per Whats App herum...unglaublich! Auf einmal kam dann auch noch die "Securitée Nationale". Sie fragten nach Waffen und Bomben und warum wir hier wären. Hier half uns der Baby-Bonus rein garnichts! Meine Geduld sank rapide, denn natürlich fand ich es nicht gut, dass jemand unser Auto anmalte. Der Beamte musste dann zwar seine Kulli-Spuren wegschrubben, allerdings wollte die Kabine die Kritzelei nicht mehr hergeben. In meinem schlechten Französisch gab ich ihm zu verstehen, dass wir hier nicht mehr ewig stehen wollten. Ela und ich waren uns einig, dass wir wieder zurück nach Spanien wollen, wenn hier nicht bald eine Lösung gefunden wird. Dann sagte ein Beamter, dass wir weiterfahren durften, wenn die Karte weg wäre. Ok, das hieß noch minimum eine Stunde im Zoll, denn so ein Aufkleber mit den Fingernägeln abzupuhlen ohne Fön dauert ewig. Nicht so in Marokko. Ruck zuck standen 4 Polizisten an unserem Auto und kratzten was das Zeug hält. Wir brauchten nichts zu machen. Ich musste lediglich aufpassen, denn natürlich wollten sie es sich einfach machen und kratzten mit einem stumpfen Küchenmesser an unserer Kabine rum. 

 

Ela verbrachte die Zeit mit Zoe und Merlin in der Kabine und ich dachte, nun könne ich auch mal durchatmen. Doch ich lag falsch. Ein weiterer Beamter wollte sich nun mal das Wohnmobil von innen anschauen. Ich öffnete die Kabinentüre und Merlin schaute ihn mit großen Augen an. An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass Marokkaner Angst vor Hunden haben. Ihm stand die Schockstarre ins Gesicht geschrieben und somit blieb es bei dem Öffnen der Kabinentür. Im Fahrerhaus entdeckte er dann eine Blitzlampe (die kann im Falle eines Unfalls auf den Boden gelegt werden, um die Gefahrenstelle abzusichern) und fragte mich entsetzt: " Bomba??" :) Ich schaltete die Lampe an und lachte. Letztelendes kassierte er ein Pfefferspray von uns und war zufrieden, etwas konfisziert zu haben. Zwischenzeitlich war die Karte restlos entfernt, leider auch an der ein oder anderen Stelle mit samt dem Lack darunter. Sehr ärgerlich!

 

Wir waren nun einfach froh, den Zoll verlassen zu dürfen. Im Nachgang sagen wir uns, dass wir selbst schuld sind...wir hätten uns besser informieren sollen. Man lernt nicht aus ;)

 

Nun kam die nächste Hürde. Ein paar Kilometer weiter dann die erste Polizeikontrolle. Wir wussten, dass die Polizeipräsenz in Marokko sehr hoch ist und fühlten uns top vorbereitet. Es konnte nichts mehr schief gehen.... oder vielleicht doch?! Wir gaben dem Beamten unsere Papiere und die grüne Versicherungskarte. Wir mussten für teures Geld eine extra Versicherung für Afrika abschließen. "No valid Mister, no valid"... er deutete auf das Datum, welches auf 2016 ausgestellt war!! So ein Bullshit! Da hatte die Versicherung einen Fehler gemacht und wir hatten es nicht mal gemerkt. Zum Glück war sie via Telefon schnell erreichbar und schickte uns die richtigen Dokumente per Mail nach. Wir durften zwischenzeitlich dann trotzdem weiterfahren...der Baby-Bonus hat uns den A*** gerettet.  Was wollen wir mit dem PDF..... wir brauchten das Dokument in Papierform. Aber nun gilt es erst einmal, vor Einbruch der Dunkelheit einen Schlafplatz zu finden....

 


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Kommentare: 3
  • #1

    Petra (Montag, 30 Januar 2017 20:39)

    Hallöchen das hört sich nach Stress an und nicht nach Urlaub.Viel Spass und viel Glück weiterhin.

  • #2

    Marly (Dienstag, 31 Januar 2017 08:15)

    Ciao ragazzi! Mamma mia soviel Aufregung und Widrigkeiten braucht kein Mensch. Aber er wächst ja bekanntlich mit und an seinen Aufgaben. Nehmt mein rheinisches Lebensmotto mit auf die Reise: Et hätt noch immer jotjejange. Wie man sieht, habt Ihr das ja schon verdaut und könnt lächeln. Bis dann....

  • #3

    GloBulli Team (Sonntag, 12 Februar 2017 19:37)

    Hallo zusammen,

    das ist ja auch kein Urlaub sonder "Elternzeit" :), nee das war schon sehr unangenehm, sind froh das wir es hinter uns gebracht haben und der Kleber nun ab ist!
    So können wir nun entspannter durch jede Polizeikontrolle fahren und davon gibt es hier einige!
    LG aus Marokko
    die GloBulli`s