· 

Marakkesch - eine Stadt mit vielen Gesichtern...

Marrakesch (Marokko)

Hallo ihr Lieben,

 

sorry, dass ihr nun schon längere Zeit nichts mehr von uns gehört habt. Wir hinken etwas hinterher mit unseren Blogeinträgen, da wir längere Zeit offroad in der Pampa unterwegs waren ohne Handyempfang und danach hatte Zoe das Dreitagefieber und hat unsere ganze Aufmerksamkeit gebraucht. Es war also keine Zeit zum Schreiben.... die Blogeinträge sind mit einem sehr hohen zeitlichen Aufwand verbunden und es benötigt ausreichend guten Handempfang, der kurz vor der Westsahara nicht konstant gegeben ist ;). So, nun aber zu unserer kleinen Geschichte über unseren Aufenthalt in Marrakesch :) :

 

Nun fahren wir endlich in die Stadt, die besonders beliebt bei Touristen ist und auf die ich (Ela) schon die ganze Zeit tierisch gespannt war: MARRAKESCH!! :) Ich liebe orientalische Märkte, bunte Stoffe und durchlöcherte Blechlampen, welche bei vielen anderen (insbesondere den Männern ;) ) als "überflüssiger Touri-Nap" verschrien sind. 

 

Von Rabat aus als Tagestour ist das zwar eine ganz schöne Strecke, allerdings ließ sie sich durch die Autobahnen und hervorragend geteerten Landstraßen echt gut fahren. Nach der mühseligen Schlafplatzsuche in Rabat wollten wir dieses Mal einen etwas komfortableren Campingplatz mit europäischem Standard und guten Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten anfahren und entschieden uns deshalb für "Le Relais de Marrakech" (Koordinaten 31.707171, -7.989692). Wir erhofften uns auch, dass wir dort endlich mal andere Overlander treffen, mit denen wir uns austauschen können.

Der Platz ist echt richtig schnuckelig angelegt mit einem orientalischen Pool, überall schönes Fliesen-Mosaik, Palmen und Sonnenliegen. Am Abend bietet sich uns durch die Beduinenzelte inmitten von Palmen eine tolle Silhouette, welche ich direkt mal mit der Kamera festgehalten habe. Dreht man den Kopf zur anderen Seite, kann man die schneebedeckten Gipfel des Hohen Atlas-Gebirges sehen, während man selbst im Sonnenstuhl bei wärmeren Temperaturen chillen kann. Mega!! :)

 

Direkt am Empfang des Platzes sprach uns Markus an. Markus ist ein Österreicher (von uns liebevoll "Öschi" genannt), der uns mit den Worten "Des is ja ä Mords-Ding" begrüßte. Damit meinte er natürlich unseren Bolle ;).  Er fährt einen ausgebauten und geländetauglichen Kia Sorento mit Dachzelt und war nach 9.000 km eigentlich bereits auf der Rückreise.... "eigentlich"...., aber dazu später mehr. Außerdem trafen wir Knut und Silke  mit ihren beiden Hunden, die in einem Steyr mit Wohnkabine on Tour waren (www..4x4-innenausbau.de). Wir verstanden uns alle auf Anhieb gut und so entschieden wir, zusammen auf den Souk in die Medina zu fahren.

Die Taxi-Fahrt dorthin war schon ein Erlebnis :) Aber naja, an dieser Stelle brauche ich mich nicht nochmal der marokkanischen Fahrweise zu widmen. Nur soviel: Taxifahrer haben IMMER Vorfahrt, bzw. sie nehmen sie sich einfach :).

 

Auf dem Souk angekommen waren wir erst einmal überwältigt. Obwohl erst Mittag, war schon ein reges Treiben auf dem Markt. Wir schlenderten gemütlich durch die engen Gassen und schauten uns alles ganz genau an. Uns stieg ein bisher unbekannter Geruch in die Nase. Es roch nach einem Mix aus leckeren orientalischen Gewürzen, Lederwaren und leider auch nach feuchten vermüllten Gassen gepaart mit Tiergeruch...ja, ich glaube das trifft es am besten ;). Andauernd rauscht in den engen Sträßchen von hinten noch ein Roller an einem vorbei. Von allen Seiten wird man natürlich angesprochen, aber darauf waren wir aufgrund der Erzählungen in unserem Reiseführer bereits vorbereitet.  Ich tue mir schwer, einfach stehen zu bleiben um mir mal etwas anzuschauen.  Die Händler dort sind wirklich oft penetrant und mögen es auch garnicht, wenn man Fotos macht. Dann kommen sie und fordern sofort Geld dafür. 

 

Auf dem Souk findet man wirklich alles, was das Herz begehrt. Von Kleidung über Gewürze bis hin zu Nahrungsmitteln wie Obst, Gemüse und Fleisch. Auch Schlangenbeschwörer und Henna-Damen preisen Ihre Künste an. Leider gibt es auch viele Kinder, die allmöglichen Kleinkram wie zB. Taschentücher verkaufen wollen und wir sind erstaunt, wie nah sie uns bis auf Körperkontakt auf die Pelle rücken und nicht locker lassen können. Wir haben Augen und Ohren überall und sind ständig damit beschäftigt, aufzupassen, dass keiner uns die Tasche klaut.

 

Wir genießen die bunte orientalische Vielfalt die uns bietet und saugen alles in uns auf. Zoe hingegen liebt es, bei solch konstantem Geräuschpegel zu schlafen und kuschelt sich in der Trage dicht an Mama's Brust. Während die Männer der Fraktion eher damit beschäftigt waren, einen guten Essens- bzw. Fleischstand ausfindig zu machen, schauten wir Damen uns den ganzen "Nippes" an. Mir haben es besonders die Stände mit den tollen Blechlampen angetan. Es gibt sie in allen Formen und Größen und ich überlege bereits, wie ich eine große Blechlampe mit ca. 1 Meter Durchmesser bloß im Wohnmobil nach Hause transportieren kann...ich hätte so gerne eine solche Lampe im Wohnzimmer hängen ;). Aber naja...wird wohl nix...wir haben keinen Platz und Daniel würde mir wohl auf's Dach steigen :). Auch die Stände mit den orientalischen Klamotten waren ein Traum! Bereits zuhause liebte ich es, in meinen bequemen "Baba-Hosen" (so nenne ich die orientalischen Pumphosen) rumzulaufen und davon gibt es hier in Hülle und Fülle und in allen Farben! Ich habe mir gleich mal die erste Baba-Hose für Zoe ausgeguckt und schon kam der Händler zu mir an.....

"madame, good price, good quality!".

Ich war dank unseres Reiseführers bestens auf Verkaufsverhandlungen vorbereitet ;) Darauf hab ich mich am meisten gefreut. Es heißt, Marrakesch als Touristenhochburg hat Wucherpreise und wenn man es schafft, 50% des Preises herunterzuhandeln, dann ist man gut und bekommt Respekt.  Aber Vorsicht, die Marokkaner sind die geborenen Verhandlungspartner und durchschauen Marokko-Neulinge direkt. So, nun kann los gehen....Ela setzt ihr Pokerface auf....zu verlieren aber ich ja nichts. Aber eigentlich bin ich nicht der Typ für solche knallharten Verkaufsgespräche und überlasse das lieber Daniel. Aber hier kann ich üben, also perfekt.

"No sorry, 100 DH (ganz grob umgerechnet ca. 10 Euro) is way too much for little baby pants".

"Was ist letzte Preis", fragte mich der Händler

...."Hmm, 30 DH, not more!"

"Oh madame, no, that's impossible. 80 DH....allerletzte Preis...Sonderpreis for you!"

Ohne mit der Wimper zu zucken lehnte ich ab und wollte mich umdrehen, als der gute Mann mich aufhielt: "What's your allerletzte Preis?"

"Allerletzte Preis?? 50 DH, not even one DH more!", entgegnete ich.

"OK, best price for you: 70 DH"

...Will der mich veräppeln? Er fragt mich nach meinem allerletzten Preis und will dann noch Handeln? "Sorry, you asked for allerletzte Preis und das ist 50 DH"...ich drehte den Blick weg.

Der Händler lachte und sagte dann auf einmal: "Echte Berber- Frau" und lachte herzlich. "50 DH ok!"

YESS!!!! Ich habe geschafft! Er schien auch Spaß an der Verhandlung gehabt zu haben, denn beim Einpacken des guten Stückes lachte er mich an. Ich lachte freundlich zurück, nahm Zoe's tolle neue Hose und schlenderte davon.

 

 Auf dem großen Marktplatz gibt es auch eine Schlemmer-Meile, in der zahlreiche Garküchen ihre Spezialitäten anbieten. Dort ist es sehr eng und die Marktschreier sind besonders aufdringlich. Man lehnt höflich ab und sie lassen einfach nicht locker, gehen dir hinterher und fassen dich am Arm. Ich verstehe nun auch, warum die Fress-Meile direkt am Anfang des Souks neben der Polizeistation ist. In dieser Gasse herrschen andere Regeln und so verließen wir auf schnellstem Wege die Fressmeile. 

 

Auf der einen Seite macht das Bummeln über den Souk Spaß und viele Händler sind nett und höflich, aber der Versuch, ihre Ware anzupreisen, kann relativ schnell ins Gegenteil umschlagen. Uns wurde das Treiben dann auch zu viel und der Hunger zu groß und so suchten wir uns ein schönes, etwas höher gelegenes Lokal mit Blick auf den Souk aus.

 

Das Restaurant war sehr geschmackvoll eingerichtet und gut besucht. Es gab dort mehrere Terrassenebenen und wir fanden ein schönes Plätzchen auf dem höchsten Balkon. Da wir uns allerdings auf dem Hauptplatz des Souks befanden, waren die Preise ebenfalls an Touristen angepasst. Man bekam eine überschaubare halbe Portion für den doppelten Preis. Guter Deal ;) .....für den Marokkaner. 

 

Beim Essen erzählte Markus uns dann direkt mal seine Erfahrungen vom Nachtleben in Marrakesch, denn er war am Vorabend "um die Häuser gezogen". Betrinken kann man sich dort wohl eher nicht... beziehungsweise nur, wenn man den Geldbeutel ganz locker sitzen hat, denn die Preise für Alkohol sind utopisch. In einem islamischen Land gibt es Alkohol nur in Lokalen mit einer speziellen Ausschankgenehmigung. Wenn man sich allerdings die Volldröhnung geben möchte, dann ist man in Marrakesch anscheinend gut aufgehoben, denn ihm wurde allein an einem Abend sieben mal Drogen angeboten (was Markus natürlich abgelehnt hat).

Nach einem so erlebnisreichen Tag waren wir alle geschafft und nahmen das nächste Taxi nach Hause. Auch hier konnten wir übrigens den Preis um 20% herunterhandeln ;). Da der Hunger der Männer noch nicht wirklich gestillt war, gingen sie zu Fuß vom Campingplatz querfeldein nochmals auf einen kleineren Souk und kauften dort Fleisch "nach marokkanischer Art". Hier in Marokko gibt es auf der Straße keine Metzger mit gut durchgekühlten Fleischwaren, wie es in Deutschland der Fall ist. Hier hängen die Ziegen und Rinder am Straßenrand ohne Kühlung von der Decke und der "Metzger" schneidet einem das Fleisch direkt vom Tier ab... getreu dem Motto "Dreck macht Speck". In Deutschland ein absolutes No-Go, hier die Tagesordnung. Daniel und ich wären bis dato nie so "lebensmüde" gewesen, solch ein Fleischstück zu essen. Aber Knut sah das ganze gelassen... "So ein frisch geschlachtetes Rind wird doch nicht schlecht. In den meisten Fällen ist das super Fleischqualität, sofern der Metzger große Kundschaft vorweisen kann und direkt vom Fleisch abschneidet (also nichts aus der Auslage!)"....hmm ok, wir waren skeptisch, aber gespannt. Sie kauften insgesamt 2 kg Rindfleisch für umgerechnet 18 Euro.

 

Wieder auf dem Platz angekommen grillte uns Knut insgesamt 1,5 kg Rindfleisch auf dem Grill (für 3 Personen) und was soll ich sagen...es schmeckte fantastisch!!! Ich habe noch nie so ein leckeres Stück Fleisch gegessen, ganz ohne Gewürze. Ich roch skeptisch an jedem Bissen, bevor er in den Mund wanderte. Es roch neutral....so eine gute Fleischqualität bekommt man nicht mal in Deutschland von einem guten Metzger. Uns ging es in den folgenden Tagen übrigens prächtig. Wir hatten keinerlei Magen-Darm-Probleme ;)

 

Insgesamt verbrachten wir alle zusammen vier toll Tage in "Le Relais de Marrakesch". Silke und Knut verabschiedeten sich, da sie langsam wieder zurück mussten. Markus entschied sich ganz spontan, mit uns zwei Offroad-Touren zusammen zu fahren. Wir freuten uns riesig und planten vor unserer Abreise noch die kommende Route und waren froh über die Tipps von Knut.

 

In den nächsten Tagen geht es für uns Richtung Tafraoute und ins Draa-Tal. Ihr könnt gespannt sein, denn wir  haben viel erlebt! Marokko pur! :)

 

Sonnige Grüße,

die Umbakers :)

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Marly (Montag, 13 Februar 2017 15:54)

    Hey Ihr Lieben. Was lange währt wird endlich gut. Euer Bericht liest sich super. Ja, auch ich wäre schwach geworden - liebe ich doch Stoffe, Wolle und (leider) Essen. Bin eine Fleischpflanze (alle Vegetarier und Veganer bitte wegschauen). Bin natürlich gespannt auf den nächsten Beitrag. Alles Gute. Eure Marly

  • #2

    Globulli-Team (Dienstag, 14 Februar 2017 18:01)

    Hallo Marly,
    Herzlichen Dank für deinen Beitrag! Wir freuen uns sehr dass du unserem Blog so gespannt verfolgst. Zoe's Krabbeldecke, die du für Sie genäht hast, ist jeden Tag durchgehend im Einsatz ;) ja die Stoffe und das Essen.... ich werde vor unserer Abreise mit Sicherheit noch das ein oder andere kaufen müssen ;)
    Bis bald!

  • #3

    Luca und Carmen (Donnerstag, 16 Februar 2017 21:54)

    Es ist immer wieder schön miterleben zu dürfen, auch wenn es etwas zeitversetzt ist, was für erlebnisreiche, schöne und spannende Reiseerlebnisse ihr habt. Die Art und Weise wie ihr darüber schreibt macht Freude / Lust auf mehr und wir fühlen uns euch dabei ganz nah.
    Die tollen Bilder sind von euch toll ausgewählt. Schön das ihr noch ein paar Fotos von der Haarpracht von Daniel gemacht habt ;-).
    Lasst es euch weiterhin gut gehen.
    Wir denken an euch.
    GlG Luca und Carmen