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Blaue Steine und sandige Lackierung unseres Kurzhaubers

Tafraoute (Marokko)

Yippie.... mei, was sind wir in Vorfreude auf Bolle's neues "Outfit" :) Schon an unserem Traumstellplatz in den Dünen zwischen Mirleft und Aglou Plage scharren wir mit den Hufen. Dabei sind wir (über)pünktlich dran. Es bleiben vier Tage bis zu unserem Lackierttermin. Zu wenig, um nochmal eine größere Tour zu fahren, denn wir sind breitengradtechnisch gesehen bereits fast auf der Höhe von Tafraoute. Auch wenn wir wissen, dass die Marokkaner es mit Terminen in Sachen Pünktlichkeit nicht so ganz ernst nehmen, wollen wir unserer deutschen "Linie" treu bleiben und nicht zu spät kommen. Wir hoffen inständig, dass Mohammed Farih, unserer Lackierer, uns nicht vergessen hat.

Unser Weg nach Tafraoute führt uns durch die wunderschönen Pässe des Anti-Atlas. Wir durchqueren traumhafte Palmenoasen. Während unser Bolle langsam aber sicher die steilen Serpentinen hoch kraxelt, genießen wir das tolle Panorama auf Marokko's Frühjahrs-Fauna. Durch die Regengüsse in den vergangenen Tagen erstrahlen die Wiesen und Sträucher in besonders sattem grün. Wir passieren klitzekleine Ortschaften inmitten von Palmen, wo uns die Einheimischen freudestrahlend zuwinken. Die Menschen hier in den Bergen scheinen sehr traditionell und gläubig zu leben. Die Frauen tragen rote Gewänder mit farbenfrohen Stickereien verziert und dazu stets einen weißen Schleier. Die Straßen sind recht sauber und gepflegt, was uns angesichts des enormen Müllproblems in Marokko ganz besonders freut. Das Panorama auf die zahlreichen kleinen Terassen ist atemberaubend schön! Die Luft hier oben riecht ganz besonders toll: es duftet nach frischem Regen, saftigen Sträuchern gepaart mit einem Hauch von Orient... sauber und rein.... den Duft werden wir so schnell wohl nicht vergessen.

Wir kamen an einem Samstag nachmittag in Tafraoute an und entschieden uns, bei dem Lackierer vorsichtshalber mal anzuklopfen. Mohammed erkannte uns direkt wieder und winkte uns freudestrahlend zu. Er versicherte uns, direkt am Montag morgen um 10 Uhr zu starten. Wow, das ist mal ein Wort! Die Zeit bis dahin wollten wir schon mal nutzen, um diverse Sachen von unserer Kabine zu demontieren. Deshalb fuhren wir in Tafraoute zu den Blauen Steinen, den sogenannten "Painted Rocks". In den 90er Jahren hatte ein belgischer Künstler sich dort verewigt und etliche Tonnen blaue Farbe über die Felsen geschüttet. Nach und nach haben Touristen die bemalten Steine teilweise in gruselige Gesichter verwandelt. Die Farben sind mittlerweile schon ziemlich ausgeblichen, was der Faszination allerdings keinen Abbruch tut. 

Wir trafen einige sehr interessante Reisende mit den unterschiedlichsten Reisemobilen. Das ist etwas, was wir am Reisen mittlerweile wirklich sehr genießen.... Es gibt so viele verschiedene Charaktere von der ganzen Welt und doch hat man eines gemeinsam: die Liebe zum Reisen. Mit manchen redet man nur kurz, mit anderen verbringt man sogar einen oder mehrere Abende zusammen. Sie kommen und gehen, aber sie hinterlassen alle einen bleibenden Eindruck, der sich tief in unsere persönliche Reisegeschichte eingraviert. So trafen wir zum Beispiel auf ein Pärchen mit Hund, die ebenfalls in einem Kurzhauber unterwegs waren. Die Besitzer haben unglaublich viel Zeit in ihr silbernes Schmuckstück investiert. Am Abend tauschten wir unsere Erfahrungen aus und gingen gegenseitig bei einem Rundgang durch die fremden Wohnmobile auf Entdeckungsreise. 

Wir trafen auch auf einen älteren Mann, der neugierig zuschaute, während Daniel unser Womo in tausend Einzelteile zerlegte. Als wir ihm sagten, dass Bolle am nächsten Tag lackiert werden würde, erzählte er uns von einem bekannten Paar, welches vor einiger Zeit in Tafraoute ebenfalls ihr Womo lackieren gelassen hat. Dieses Pärchen war nach zwei Wochen fix und fertig. Der ganze Stress und die Aufregung, die ihnen dabei widerfahren ist, endete in einem Krankheitsmarathon. Sie mussten im Anschluss weitere 2 Wochen ihre Bronchitis auskurieren. Wir hörten gespannt zu, blieben aber vollkommen cool. Wir waren schließlich bestens vorbereitet und wussten genau, dass die kommenden zwei Wochen anstrengend werden würden. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir jedoch noch nicht, dass es uns ganz genau so gehen würde! Hätten wir bloß mal auf den alten Mann gehört, dessen Geschichte wir anfangs etwas belächelten.....

So, und nun kommt der Teil der Geschichte, den wir so kurz wie nur möglich, aber so lange wie nötig, halten möchten: die Lackierung. Ela hatte sich vorgenommen, sich in dieser Zeit etwas intensiver um den Blog zu kümmern, aber dazu kam es leider nicht. War wohl auch besser so, denn ansonsten hätten wir unseren Emotionen und Aggressionen sowie der teilweisen Hilflosigkeit wohl zu viel Raum geschenkt. Jetzt, einige Zeit später, können wir das Ganze mit Abstand betrachten. 

 

Wenn man sein Womo in Marokko lackieren lässt, muss man sich darauf einstellen, dass die Arbeitsmoral eine ganz andere ist als in Deutschland. Im Grunde war uns das zwar vorher schon klar, allerdings wurde unsere Geduld jeden Tag auf's Neue auf die Probe gestellt.... und so manches Mal haben wir dabei auch die Nerven verloren. Da sind schon öfters mal ganz schön die Fetzen geflogen. Wo anfangs die Stimmung noch ziemlich ausgelassen war, hatten sich nach zwei Wochen die Fronten so verhärtet, dass beide Parteien einfach nur noch froh waren, wenn sie die jeweils andere nicht mehr sehen musste.

 

Über den Rost wollte man zuerst nur drüber spachteln, anstatt ihn ordentlich zu beseitigen. Die Arbeit an sich hatte keinerlei System, es wurde alles mehr oder minder durcheinander erledigt und dadurch wurde die ein oder andere Sache auch nicht ordnungsgemäß zu Ende ausgeführt. Daniel war die ganze Zeit damit beschäftigt, den Jungs auf die Finger zu schauen und zu sagen, wie wir uns das Ergebnis vorstellen.... "du hast hier noch eine Stelle vergessen... mach das bitte ordentlich..." und so weiter und so fort. Effektive Arbeitszeit war gefühlt lediglich drei Stunden an einem 8-stündigen Arbeitstag. Dies hing sehr stark davon ab, ob der Chef anwesend war oder nicht. Freitag und Samstag nahm man das Arbeiten angesichts des bevorstehenden Wochenendes etwas entspannter. Wo die rechte Seite des LKW's, die zu Beginn bearbeitet wurde, noch richtig gut geschliffen wurde, wurde die linke sowie die Rückseite nur noch halblebig erledigt. Ursprünglich war im Preis vereinbart, dass komplett alle Fugen an der Wohnkabine entfernt und neu gezogen werden würden. Als wir jedoch sahen, wie schlecht die Fuge nach dem zweiten Versuch auf dem Dach gezogen wurde, griffen wir kurzerhand in einer Nacht- und Nebelaktion selbst zur Tube und zogen sie selbst. Abkleben war leider auch ganz und garnicht ihre Stärke. Auch hier hatten wir alle Hände voll zu tun, denn der LKW wurde ja mehrfach lackiert und wieder neu geschliffen. Tja... und so wurde aus der versprochenen Woche Bearbeitungszeit im Endeffekt über zwei Wochen. Hätten wir am Ende nicht permanenten Druck ausgeübt, würden wir wahrscheinlich heute noch vor der Lackiererei kampieren. An dem Tag der Fertigstellung stellten wir dann mehrere Blasen im Lack fest und sagten, dass das Ergebnis für uns nicht zufriedenstellend ist. Kurzerhand stach man die Blase auf, drückte sie mit dem Finger ein und warf und vor, wir würden nun jede Kleinigkeit monieren. Blasen im Lack sind für uns alles andere als eine Kleinigkeit. Kurzerhand wurde unserem Wunsch jedoch entsprochen und die betreffenden Stellen neu lackiert. Wir waren jeden Abend fix und alle und konnten kein bisschen abschalten oder gar entspannen. Daniel schuftete doppelt so lang an unserem Womo wie die Arbeiter selbst. Angesichts dessen, dass wir hierfür Geld bezahlen, stieß uns das jedes Mal sehr übel auf. 

 

Man muss allerdings dazu sagen, dass Mohammed wirklich sehr rücksichtsvoll Zoe gegenüber war. Er richtete uns eine kleine Ecke her, wo Zoe spielen und wir uns mit ihr zurück ziehen konnten. Er bot uns mehrmals an, mit der Kleinen in seine Wohnung zu gehen, damit sie dort schlafen kann. Er fragte jeden Tag nach ihrem Wohlergehen und küsste sie auf ihre Händchen und Füßchen. Wir hätten uns wirklich super verstanden, wenn die Lackierarbeiten die Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit nicht überschattet hätten.

Nach nur fünf Tagen wurde zuerst Daniel krank. Er hatte sich einen ganz komischen Magen-Darm-Virus eingefangen, der ziemlich hartnäckig war und tagelang nicht weggehen wollte. Zum Glück blieben Ela und Zoe davon verschont. Von Mohammed bekamen wir einen sehr nützlichen Tipp, den wir künftig auch in Deutschland anwenden werden: Kurkuma (pur gegessen) hilft super bei Magen-Darm-Problematiken!  Im Anschluss bekam Merlin mehrere Tage ebenfalls Durchfälle. Als er plötzlich ziemlich teilnahmslos herum lag, machten wir uns große Sorgen, denn in Marokko gibt es kaum Tierärzte. Aber auch das bekamen wir in den Griff. Daniel fing sich dann eine Erkältung ein. Nach 1,5 Wochen zogen sich Ela und Zoe eine üble Bronchitis zu und Zoe fieberte mehrere Tage vor sich hin. Die Erfahrung hat allerdings gezeigt, dass Zoe ein Kind ist, was sehr schnell Fieber bekommt und somit waren wir mit der Situation bereits vertraut. Ela und Zoe ließen sich zur Sicherheit wegen der Bronchitis kurz im Krankenhaus durchchecken (einen Allgemeinmediziner gab es dort nicht). Doch da wollten wir schneller wieder raus, als wir reinkamen. Die Hygiene war dermaßen katastrophal, dass man hier nur einen Fuß hinein setzt, wenn man wirklich den Kopf unter'm Arm trägt. Weil Zoe Fieber hatte, wollte man ihr ohne eine Untersuchung sofort Antibiotika verabreichen. Dabei ist Fieber an sich ja eine gesunde Abwehrreaktion des Körpers. Wir entschieden uns, dass wir zuhause in unserem Bolle und mit Homöopathie und viel Kuscheln gesund werden wollen. Letztenendes wurden wir auch ohne Antibiotika alle wieder fit. Im Laufe der Reise haben wir gelernt, dass wir uns viel mehr auf unsere eigenen Instinkte verlassen und uns nicht von anderen beeinflussen lassen sollen. Das ist uns mittlerweile, gerade im Hinblick auf unsere Tochter, sehr wichtig und wir wurden durch diese Krankheits-Erfahrung darin nochmals bestätigt.

Wir haben lange überlegt, ob wir Bolle in einer anderen Farbe lackieren lassen sollen. Allerdings war die Farbauswahl nicht besonders groß und so entschieden wir uns wieder für ein unauffälliges beige, lediglich in einer anderen Nuance. Vorher war Bolle eher Vanille, jetzt ist er etwas dunkler und sandiger. Für uns eine super Wahl, denn so fallen wir in der kargen Wüstenlandschaft nicht zu sehr auf. Bolle ist und bleibt ein "Dreck-Bolle" und kein Bonbon ;) 

 

 

 

Als Fazit können wir sagen, das wir mit dem Ergebnis der Lackierung, so wie wir es in der kurzen Zeit danach beurteilen können, recht zufrieden sind. Angesichts dessen, dass wir einerseits weitaus weniger bezahlt haben, als es uns in Deutschland gekostet hätte und andererseits die Lackierung mehr oder minder draußen stattgefunden hatte, ist das Ergebnis wirklich passabel. Die Rostbeseitigung am Führerhaus und die damit zusammenhängenden Schweiß- und Spachtelarbeiten wurden wirklich sehr gut ausgeführt. In ein paar Jahren können wir hierzu allerdings erst mehr sagen. Hier mal ein paar Impressionen aus der Werkstatt:

Während der zwei Wochen tauchten wir tiefer in die Stadt Tafraoute ein und fühlten uns immer wohler. Anfangs war uns der Ort zu touristisch, allerdings empfanden wir das am Ende gar nicht mehr so. Wir lebten unter den Einheimischen und lernten die marokkanische Kultur immer besser kennen. Dazu trug natürlich auch bei, dass wir die komplette Zeit am Straßenrand in einem nicht-touristischen Viertel, und nicht auf einem Campingplatz, schliefen. In der Zeit unseres Aufenthalts fand auch das bekannte "Mandelblütenfest" statt, welches wir leider aufgrund unserer Krankheitsphasen nicht ein einziges Mal besuchen konnten. Aber von Weitem konnten wir die Konzert-Musik hören und wir sahen die vielen  Marokkaner an unserem Womo vorbei rauschen. Da vor allem Zoe und Ela tagsüber viel in der Stadt mit dem Kinderwagen unterwegs waren, kannte man uns mittlerweile und winkte uns bereits von weitem zu. Zoe bekam tagtäglich unglaublich viele Küsse und wurde mit Liebenswürdigkeit überhäuft, dass uns jedes Mal ganz warm ums Herz wurde. Zoe fällt mit ihren blonden Haaren und blauen Augen einfach auf und wurde überall im wahrsten Sinne des Wortes mit offenen Armen empfangen.

 

In Tafraoute gibt es übrigens einen "königliches Naturschauspiel", welches an der großen Gebirgskette um die Mittagszeit zu sehen ist, wenn die Sonne einen bestimmten Strahlungswinkel hat. Wahnsinn! Der König der Löwen!! Die Einheimischen sehen ihn als Aufpasser, der über die Stadt wacht. Kannst du ihn auf dem Bild erkennen? ;)

In der Stadt, und vor allen Dingen auf den Campingplätzen, wurde übrigens davon berichtet, dass ein deutscher Kurzhauber gerade eine Komplettlackierung bekommt. Tagtäglich kamen uns Menschen besuchen, die unseren Bolle und dessen sukzessive Fertigstellung begutachten wollten. In der Lackiererei werden zwar viele Teil-Lackschäden behoben, aber eine Komplettlackierung, und dann auch noch von einem alten Mercedes Benz Kurzhauber, ist wohl doch eher eine Seltenheit. 

 

Ein paar Tage vor der Fertigstellung kam zufällig eine Familie des Weges vorbei, die in ihrem Kurzhauber das ganze Jahr über wohnen und reisen. Mit ihnen verstanden wir uns echt gut und so entschieden wir, uns nach der Fertigstellung wieder an den Blauen Steinen zu treffen und zusammen in die Wüste zu fahren. Aber mehr dazu im nächsten Blogeintrag... der lässt dieses Mal nicht mehr so lange auf sich warten und wird garantiert sehr spannend ;)

 

Bis bald,

 

 

die Globulli's


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Kommentare: 1
  • #1

    Marly (Montag, 27 März 2017 10:10)

    Endlich wieder ein Bericht. Und so spannend und anschaulich erzählt. Bolle sieht richtig chic aus, was man bei den Werkstattbildern nicht vermuten sollte. Euer Bericht klingt fast so, als wolltet Ihr Marokkaner werden (Dani sieht ja schon so aus :-) ).
    Kurkuma - gute Idee, verwende es zu selten in meiner Küche. Gut, dass Ihr alle wieder gesund seid und Euch die Reiselust nicht vergangen ist. Bin mächtig gespannt, auf den Wüstenbericht. Fühlt Euch liebevoll umarmt und gedrückt. Herzlichst Eure Marly und Det