· 

Wasser-Kaskaden, Sandstürme und Vorbereitungen für die Wüste

Tafraoute - Tissint - Zagora - M'hamid (Marokko)

Endlich, der Stress ist vorbei und wir können entspannen! Das haben wir uns nach den zwei Wochen Aufenthalt in der Lackiererei redlich verdient. Wir brauchen dringend einen Tapetenwechsel und müssen mal ein wenig runterkommen. Das wichtigste ist aber, dass wir alle wieder gesund werden und Kraft tanken.

Wir hatten uns mit Wolfang, Diana und ihren beiden Kids Gaia und Loan (8 und 4 Jahre alt), die in ihrem petrolblauen Kurztauber "Morpheus" um die Welt reisen, an den blauen Steinen verabredet. Hier stießen wir zu einer lustigen und bunten Truppe hinzu. Neben der Morpheus-Crew gab es auch noch die Holländer Bauke und Nils, sowie die Kanadier Jenn und James, die mit ihrer 12-Jährigen Tochter Zoe unterwegs sind. Wir gesellten uns zu ihnen und verbrachten ein paar schöne Tage an den Blauen Steinen. Wir waren total happy, denn Zoe konnte so zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit mit anderen Kindern zusammen sein. Zoe fremdelt gerade arg und mag am liebsten bei Mama und Papa auf dem Arm sein, aber sie setzte sich gerne zu den anderen dazu und schaute ihnen beim Spielen zu.

 

Da die Truppe noch einen Tag länger an den Blauen Steinen bleiben wollte, verabredeten wir uns an den Wasser-Kaskaden in Tissint. Wir fuhren schonmal vor und genossen eine traumhafte Fahrt durch den Anti-Atlas. Von Zeit zu Zeit wurde die Gegend immer sandiger und bekam wieder Steppencharakter. Der Sand im Gebirge hatte eine seltsame moosgrüne Farbe.... so etwas haben wir zuvor noch nie gesehen! Der Wind tobte draußen und erschwerte zunehmend die Sicht. Die Landschaft hüllte sich in einen sandigen Schleier und bekam etwas mystisches. Was für eine "lebensfeindliche" Gegend das hier doch ist! Wir wundern uns, wie hier die Wüstennomaden mit ihren Ziegen- und Schafherden in Zelten leben und überleben können.... unvorstellbar!

Kurz vor den Wasser-Kaskaden hatte sich der Wind in einen tobenden Sandsturm verwandelt. Man sah die Hand vor den Augen nicht mehr! Wir hielten kurzerhand auf einem Felsplateau an, denn ein seltsames klapperndes Geräusch auf unserem Dach beunruhigte uns. Als Daniel auf die Kabine kletterte um nachzuschauen, hörten wir plötzlich einen lauten Knall. Ela, die mit Zoe im Fahrerhaus geblieben war, dachte zuerst, es hätte Daniel vom Dach gerissen...... puh, nochmal Glück gehabt. Er war noch oben, musste sich allerdings ordentlich festhalten. Da hat der Sturm uns doch tatsächlich die eingeklappte Sat-Schüssel inklusive der Verankerung von der Kabinendecke abgerissen! Gott sei dank hat sie Daniel nicht erschlagen! Doch wo war die Sat-Schüssel bloß hingeflogen? Wir machten uns auf die Suche....

 

Ein paar Minuten später standen wir plötzlich an einem Abgrund. Durch den Sandsturm hatten wir garnicht bemerkt, wie tief die Schlucht vor uns ist. Welch ein toller Anblick!... Und siehe da, ganz unten, winzig klein, lag unsere Satellitenschüssel! Wir hätten sie ja gerne liegen gelassen, aber wir brauchten dringend die Verankerung. Nun war klettern angesagt... und Merlin freute sich natürlich wie ein Keks :) Yeahhh, endlich Action! Er raste ungebremst mit Daniel die Schlucht hinunter und wir mussten ihn regelrecht ausbremsen, damit er es nicht übertreibt. Zoe hatte den ganzen Trubel Gott sei dank verschlafen. Mit der Schüssel im Schlapptau (sie blockierte nun unseren ganzen Wohnraum in der Kabine) machten wir uns auf den Weg zu den Kaskaden.

Bei den Wasser-Kaskaden hatten wir uns zuvor aus einem Internet-Forum einen einsamen Badeplatz rausgesucht. Bei tollem Wetter kann man hier in einer winzigen Sandbucht stehen und sich in den zahlreichen Wasserbecken, die durch keine Wasserfälle miteinander verbunden sind, abkühlen. Ohne unseren Allrad-LKW kämen wir hier weder rein, noch raus. Daniel musste schon ganz schön ackern, bis unser dicker tonnenschwerer Bolle einen geraden Platz auf dem unebenen Sandboden gefunden hatte. Fast hätten wir uns zum ersten mal eingebuddelt und das wäre angesichts der Enge der Bucht nicht witzig gewesen. But no risk, no fun ;) Schade nur, dass das Wetter überhaupt nicht zum Baden einlud. Stattdessen hatten wir durch den Sandsturm eher das Problem, dass sich unsere Wohnkabine bei geöffneter Tür binnen Sekunden in einen Sandkasten verwandelte. Die feinen Körner sandstrahlten unser Gesicht. Das war definitiv nicht angenehm! Wir entschieden uns, vorerst in der Kabine zu bleiben. Nach ein paar Stunden wagten wir uns nach draußen und erkundeten die Gegend. Merlin und Zoe hatten ganz besonders viel Spaß, denn wir sprangen zusammen wie in einem Labyrinth zwischen den kleinen Wasserbecken umher. Am Abend genossen wir einen traumhaften Blick auf die untergehende Sonne, die die vielen kleinen Wasserbecken zum glitzern brachte. 

Nachdem wir uns mit der lustigen Truppe wieder zusammengefunden hatten, verbrachten wir ein paar schöne Abende zusammen am Lagerfeuer. Zusammen fuhren wir nach Zagora, um uns auf die bevorstehende große Wüstentour vorzubereiten. Diesel tanken, Wassertanks füllen, einkaufen... wir hatten so einiges zu tun. Die Stadt gefiel uns allerdings überhaupt nicht. Viel zu touristisch und total überteuert. Zagora ist bekannt für die vielen Allrad-Werkstätten, denn es ist die nächste Stadt zum Erg Chegaga, der größten Wüste Marokko's. Viele Offroader, die aus der Wüste mit Schäden zurück kommen, lassen hier ihre Karren wieder richten. Schon bei der Durchfahrt durch die Stadt schneiden uns Mechaniker auf ihren Rollern den Weg ab, um eventuell einen Auftrag zu ergattern. Dies kam uns allerdings gerade recht, denn unterwegs hat unser Motorthermostat das Zeitliche gesegnet. Wir brauchten Ersatz, am besten ein Tropenthermostat. In die Wüste mit einem defekten Motorthermostat ist ein "no go". "No problem, bitte folgen." Wir düsen dem schnellen Zweirad hinterher, dass sich durch winzige Sträßchen bahnt, bis wir vor einer Werkstatt standen. Während Daniel unseren Bolle dort mit Fett abschmieren ließ, besuchten Ela und Zoe einen Teppich- und Schmuckladen direkt nebenan. Gute Geschäftsidee ;) ... während der Mann sich um das Wohnmobil kümmert, kann die Frau direkt nebenan allerhand Nippes einkaufen. Wir wollten seit längerem tatsächlich einen Teppich haben, damit Zoe vor dem Wohnmobil auf weichem und warmem Untergrund das Krabbeln lernen kann. Gesagt - getan. Nach einer halben Stunde haben Zoe und Ela sich für einen alten, aber originalen gebrauchten marokkanischen Webteppich entschieden. Die "neumodischen" Modelle haben nicht mehr die selben Materialien. Einen reinen Web-Wollteppich bekommt man heute anscheinend nur noch gebraucht. Zoe bekam ein kleines Leder-Kamel geschenkt. Wir saßen zusammen mit ein paar Marokkanern auf unserem neuen Teppich, tranken Tee und hörten den marokkanischen Trommelklängen zu. Zoe war so fasziniert, dass wir ihr gleich noch eine eigene Trommel kauften. 

 

Noch am selben Tag fuhren wir in der Karawane von Zagora nach M'hamid, dem kleinen Wüstenörtchen, von wo aus wir unsere Tour starten wollen. Zusammen verbrachten wir noch zwei schöne Tage in den Dünen vor den Toren der Stadt, bis sich die Kanadier und Holländer in Richtung Marrakech verabschiedeten. Sie haben leider kein wüstentaugliches Allradwohnmobil. Wir werden alleine mit der Morpheus-Crew die Wüste durchqueren.

Auf dem Weg nach M'hamid wurden wir etwas melancholisch. Nun geht es endlich los! Vor drei Jahren in unserem Ägypten-Urlaub haben wir eine geführte Wüsten-Jeep-Tour gebucht. In den Dünen dort haben wir uns vorgenommen, irgendwann einmal mit dem eigenen Fahrzeug in die Wüste zu fahren. Und nun ist unser gehegter Traum zum greifen nah! Zwischenzeitlich hat sich so vieles verändert: wir sind nun eine Familie und haben eine wundervolle Tochter. Wir haben hart für unsern Bolle geschuftet und es hat uns viel Überwindung gekostet, den Mut für diese große Reise aufzubringen. 

Mit dieser Reise leben wir gerade unseren Traum... Wahnsinn! Wir sind unglaublich stolz! Und nun ist es bald soweit. Wir sind aufgeregt und haben zugegebenermaßen auch echt Respekt vor der Wüste. Aber wie lautet nochmal unser Spruch auf der Startseite.... LIFE BEGINS AT THE END OF THE COMFORT ZONE! Ja, wir haben unsere Komfort-Zone tatsächlich verlassen und es fühlt sich fremd an. Aber wir sind sicher, es wird ein einmaliges und unvergessliches Erlebnis. Wir haben diesen Moment im Auto, in dem uns all diese Gedanken doch den Kopf schossen, auf einem Foto festgehalten.

 

In diesem Moment, wo ich diesen Blogeintrag schreibe, haben wir die Wüste schon hinter uns gebracht. Ich kann euch versichern, der nächste Reisebericht wird definitiv unsere Tour durch den Erg Chegaga beschreiben. Und ja, es war unvergesslich und wir haben viel zu berichten! ... Das nur am Rande, um den Spannungs-Bogen noch ein Stück'erl weiter zu ziehen ;)

 

Viele Grüße,

die Bolle-Crew

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Jana (Montag, 03 April 2017 08:22)

    Huhu wie schön was ihr schreibt :-))))
    Vermissen euch schon etwas ;-) aber ihr macht alles richtig mit eurer Reise!!!

    Liebe knuddler an alle
    Jana und Mathias

  • #2

    Globulli-Team (Donnerstag, 06 April 2017 14:54)

    Hallo Jana und Mäddi :)
    Schön dass ihr vorbei schaut! :) Merlin freut sich schon, euch bald wieder zu sehen. Lasst es euch gut gehen und passt auf euch auf!

    Sandige Grüße,
    Ela, Daniel, Zoe und Meeeerlbert :)

  • #3

    Luca und Carmen (Freitag, 02 Juni 2017 19:40)

    Es ist wirklich schön, auch reflektierend eure Blog´s zu lesen und in eine ganz andere Welt einzutauchen. Ihr erfüllt euch einen Traum, habt dafür einiges auf euch genommen und werdet nun dafür belohnt. Ich bin stolz auf euch wie ihr das alles meistert.
    Wir drücken euch ganz innig.
    LG Luca und Carmen