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Mit unserem Kurzhauber in die Wüste - ein Traum wird wahr!

M'hamid - Erg Chegaga (Marokko)

Es ist endlich soweit... wir stehen früh Morgens mit unserem LA911 in M'hamid, einem kleinen Dörfchen vor dem Eingang in den Erg Chegaga, Marokko's größter Wüste. Noch schnell kaufen wir die letzten Lebensmittel für unsere Wüstentour ein und machen uns auf den Weg. Wir sind unglaublich aufgeregt! Was wird uns erwarten? Wie wird sich unser Bolle durch den Sand schlagen? Haben wir genug Wasser dabei und reicht der Treibstoff? Funktioniert unsere Navigation? Puhh, uns schießen tausend Dinge durch den Kopf. Wenn Bolle reden könnte, würde er uns wahrscheinlich auf die Schulter klopfen und sagen "Hey, keep cool und immer locker durch die Hose atmen... habt Vertrauen, ihr werdet überrascht sein, was ich alles schaffe!"

 

Ursprünglich hatten wir eine Offroad-Tour dicht an der algerischen Grenze bis hin zum Erg Chegaga geplant. Da wir allerdings von mehreren Reisenden gehört haben, dass sich ein Teil der Strecke in letzter Zeit in eine extreme 70 km lange Waschbrett-Piste verwandelt hat, verwarfen wir unserem Plan. Wir fahren stattdessen direkt von M'hamid in den Erg hinein und dann wieder zurück, suchen uns quasi nur das "Sahnestückchen" aus. Waschbrett ist eine Tortur und Extrembelastung sowohl für den LKW als auch für alle Insassen. Eine Tour an der algerischen Grenze entlang reizt uns trotzdem sehr... die heben wir uns eventuell für später auf.

Ab in den großen Sandkasten...... doch statt wild drauf los zu fahren, bleiben wir vernünftig und lassen erst einmal Luft aus den Reifen. Viiiiel Luft...... von ursprünglichen 5 Bar auf läppische 2 Bar. Aber hier gilt das Motto "viel hilft viel". Am Ende gleichen die Reifen eher breiten Schneeschuhen... etwas bizarr, aber das wirkt im Sand Wunder.

 

Unser tonnenschwerer Bolle gleitet nur so durch den Sand, als wäre er ein Fliegengewicht. Man kann es sich vorstellen, als ob man durch den Sand surft :) Mega! Zoe genießt die weiche Fahrt und gönnt sich erst einmal ein ausgiebiges Nickerchen. Merlin schaut neugierig aus dem Fenster und freut sich bereits darauf, gleich losbuddeln zu können.

 

Leider haben wir am ersten Tag nicht ganz so viel Glück mit dem Wetter. Der Wind, der uns schon die letzten Tage immer wieder geärgert hat, wird immer stärker und verwandelt die Wüste in ein dichtes Nebelfeld. Kaum öffnen wir die Tür zur Wohnkabine, weht uns der Sand in alle Ritzen. 

Im Konvoi mit der Morpheus-Crew schlängeln wir uns durch die sandigen Passagen und lernen erst einmal das Fahrverhalten im Sand kennen. Bis jetzt haben wir keinerlei Probleme. Für unseren "Sand-Bolle" scheint dies ein Heimspiel zu sein. Wir sind beeindruckt und stolz! Allmählich verlieren wir die Angst und freuen uns auf die höheren Sanddünen. Wolfgang von der Morpheus-Crew ist nicht zum ersten Mal im Sand unterwegs und hat bereits Erfahrung. Falls ein LKW ein technisches Problem haben oder stecken bleiben sollte, kann der jeweils andere helfen. Außerdem haben sie mit ihren beiden Kids ein ähnliches Reisetempo.... wir reisen langsam. Wir bleiben oft stehen und gönnen uns, Merlin und der Zoe-Maus kleinere Pausen und fotografieren gerne. Trotz unseres Lebens im Wohnmobil und dem ständigen Ortswechsel versuchen wir stets, einen ähnlichen Rhythmus beizubehalten und Zoe eine gewisse Stabilität zu bieten.

 

Auch wenn der Erg Chegaga ein sehr beliebtes Ziel für Touristen ist, treffen wir auf der Fahrt so gut wie keine Menschen. Alle paar Stunden kommt uns mal ein Jeep entgegen, aber ansonsten herrscht gähnende Leere. Wir passieren anfangs noch ein paar Nomadenzelte, aber je weiter wir uns in den Erg hineinwagen, desto ruhiger wird es um uns herum. Wir treffen lediglich immer wieder auf ein paar Dromedar-Herden, die unseren Weg kreuzen. Diese Tiere sind schon wahnsinnig beeindruckend! Sie sind scheu, aber nicht ängstlich. Sie sind neugierig, aber bewahren immer einen gesunden Abstand. Sie scheinen sich durch nichts aus der Ruhe bringen zu lassen... auch nicht von zwei lauten LKW's, die an ihnen vorbei fahren. Ela, die sich für ein paar Fotos nach etwas Überwindung aus dem Auto traut, hat mehr Angst vor den einhöckrigen Kamelen, als andersrum. Hätten die Tiere jetzt noch eine Sonnenbrille auf und würden an ihrer Pina Colada schlürfen, würde das unseren Eindruck von ihnen in diesem Moment wohl am ehesten beschreiben :).

 

Während Daniel, Merlin und Wolfgang immer wieder aussteigen, um zu Fuß die Sandpassagen abzuchecken und zu schauen, wo und wie wir am geschicktesten durch die Dünen kommen, verdullen sich Ela und Zoe im Fahrerhaus. Zoe schaut sich bereits jetzt schon einiges von Papa ab. Sie beobachtet ihn immer während der Fahrt und wenn wir dann auf Papa warten, darf sie auf dem "Chefsessel" sitzen. Sie wackelt dann immer am Lenkrad, zieht sich daran hoch, um aus der Scheibe schauen zu können und versucht, die Gangschaltung zu bedienen. Einfach knuffig! :) Schon jetzt hat sie einen großen Entdeckersinn und probiert alles aus. Wenn sie mal mit Merlin alleine in der Kabine wartet, während Mama ein paar Fotos macht, animiert sie ihren haarigen Kumpel gerne zum spielen. Unser alter Merlin hingegen zeigt sich wenig beeindruckt und stiert stattdessen aus dem Fenster raus. Er schaut immer und überall, dass seine "Herde" zusammen ist. Im Sand hingegen wird aus dem alten Opa ein Jungspunt..... er freut sich auf jeden Stopp, wenn er mit raus darf. 

An jedem Abend in der Wüste bescherte uns Zoe eine Überraschung. Am ersten Abend, als wir unser Nachtlager aufschlugen, schaute sie uns mit ihrem breitesten Grinsen an und was strahlte uns da entgegen? Zwei kleine weiße Zahnkuppen! Dabei hatten wir garnicht bemerkt, dass Zoe sich in letzter Zeit verändert hatte. Ok, sie war immer noch ein wenig angeschlagen von ihrer Bronchitis mit Fieber, aber dies wurde von Tag zu Tag besser und wir dachten garnicht daran, dass sie zahnen könnte. Nun hat sie ihr 3. und 4. Zähnchen bekommen... beides die Vorderzähne im Oberkiefer. Überraschung!

 

Am zweiten Abend, als wir unser Nachtlager aufschlugen und für die Kinder die Teppiche ausrollten, krabbelte die kleine Maus plötzlich los! Mitten in der Wüste überrascht uns unsere Tochter und lernt das Krabbeln. Das werden wir nie vergessen! Wir freuen uns schon sehr, wenn wir ihr irgendwann einmal, wenn sie älter ist, die Bilder und Videos zeigen und ihr sagen können, dass sie zum ersten Mal im Sand gekrabbelt ist. Wir sind mega stolz! Von nun an gibt es für den kleinen Wirbelwind kein Halten mehr. Die kleine Entdeckerin flitzt überall hin, und das sogar schon in einem ordentlichen Tempo. Wir haben ständig unsere Augen bei ihr, da sie wirklich alles um sie herum, und das ist nun halt mal momentan die Natur, in den Mund steckt. Man kann sie nicht eine Sekunde aus den Augen lassen. Schon jetzt ist sie ein frecher Schelm und grinst einen an, wenn sie sich mal wieder eine Hand voll Sand in die Gosch steckt.

Endlich ist es soweit! Bolle darf sich im großen Sandkasten in den Dünen mal so richtig austoben. Was war das für ein Spaß! :) Wir standen vor einem riesigen Sandberg... wie vor einer Wand. Wie soll unser LKW hier bloß hochkommen? Und das auch noch auf sandigem Boden? Niemals im Leben! Aber mit Wolfgang als Unterstützung und Coach wagten wir die Herausforderung. Zugegebenermaßen dauerte es einige Anläufe, aber nachdem sich Bolles breite Schlappen bereits eine Furche in den Sand gegraben und Daniel den richtigen Gang sowie die Geländeuntersetzung eingelegt hatte, schaffte Bolle seine erste Düne. Und dabei im Fahrerhaus zu sitzen war grandios! Beim Hinauffahren sah man nur den Himmel, denn die dicke Schnauze von Bolle verdeckte jegliche Sicht nach vorne. Am Scheitelpunkt der Düne angelangt kippte er dann plötzlich nach vorne wie auf einer Achterbahn und man schaute nur noch nach unten. Dieser kurze Kipppunkt war Adrenalin pur :) Einfach nur genial! Zoe saß auf Mama's Schoß und freute sich wie ein Keks. Sie war kaum noch zu halten... wenn sie reden könnte, hätte sie wahrscheinlich gesagt "nochmal, nochmal". 

Gemeinsam beobachteten wir jeden Abend atemberaubende Sonnenuntergänge. Die Farbe und Erscheinung der Wüstenlandschaft ändert sich dabei von Minute zu Minute und lässt die Dünen immer wieder in anderem Glanz erstrahlen. Zoe durfte sich vor dem Schlafengehen nochmal richtig im Sand austoben und auf Entdeckungsreise gehen. In dem hartnäckigen Sand hat sie ganz schnell ihre Krabbelkünste perfektioniert und wagte sich sogar schon an die ersten Dünen ran.

Irgendwann kam das, was wohl jeder Offroad-Fahrer im Sand schon einmal erlebt hat bzw. haben muss. Bolle grub sich in einer Passage mit Tiefsand plötzlich in den Boden rein. Die Hinterachse lag bereits auf der sandigen Oberfläche auf. Beim Versuch, da alleine rauszukommen, wurde es immer schlimmer. Anhalten ist angesagt, bloß nicht mehr weiter die  Reifen durchdrehen lassen, denn dann sackt man immer tiefer ein und macht es nur noch schlimmer. Noch bevor unsere riesigen Sandbleche zum ersten Mal zum Einsatz kommen konnten, war die Morpheus-Crew schon zur Stelle und zog uns mit unserem ca. 25 kg schweren Bergegurt aus dem Sandkasten raus. Puh, nochmal Glück gehabt. Das war uns eine Lehre, aber vor allem eine Erfahrung!

Die Abende verbrachten wir wildromantisch am Lagerfeuer und schauten uns die Sterne an. Es gibt übrigens eine tolle App namens "SkyView", mit der wir die Sternbilder am Himmel ausfindig gemacht haben. Wusstet ihr, dass der Nordstern und der Jupiter heller leuchten wie andere Sterne? Wir konnten jeden Abend Sternschnuppen beobachten. Der Himmel in der Wüste bei Nacht ist genial! So viele Sterne am schwarzen Himmelszelt haben wir bislang nur in der Wüste beobachten können. 

Jetzt hatten wir schon so viele Sonnenuntergänge beobachtet, aber noch keinen einzigen Sonnenaufgang. Zoe hält uns gerade nachts ein wenig auf Trapp und dadurch fällt das Aufstehen um 6.20 Uhr zum Sonnenaufgang schwer. Aber einmal muss das sein! Wir stellten uns den Wecker und wollten gerade mit Babyphone losstapfen, als Zoe plötzlich wach wurde. Ok, wird wohl nichts mit dem gemeinsamen romantischen Sonnenaufgang in der Wüste. So ist das nunmal, wenn man mit einem Baby reist. Man muss leider auch einige Abstriche machen. Papa bleibt mit Zoe im Bett und spielt, während Ela mit Merlin losstapfen. Nun ist Beeilung angesagt.... die Sonne schaut schon fast hinter der größten Düne hervor, die wir noch lange nicht erreicht haben. Der Sand unter den Füßen ist eisig kalt. Das hatte Ela unterschätzt und hechtet barfuß auf den hohen Sandberg. Geschafft! Und es hat sich wirklich gelohnt. Merlin und Ela erleben ihren ersten Sonnenaufgang in der Wüste.

Ja, wir sind angekommen! Ein lang gehegter Traum wird wahr! Wir starren stundenlang immer abwechselnd das knisternde Lagerfeuer und dann die kleinen Glühlampen am Himmel an. Wir backten Stockbrot und typisch indische Brotfladen überm Feuer. Wolfgang hatte für letzteres auf seinen Reisen eine Gußeiserne Feuerplatte im Schlepptau. Es war einfach unvergesslich!

 

Doch jedes Abenteuer, jeder tolle Moment hat irgendwann einmal ein Ende. Unsere Tour neigte sich dem Ende zu, doch wir sind jetzt schon sicher, dass wir noch ein zweites Mal in den Sand wollen. Bald steht die nächste Wüstentour durch den Erg Chebbi an. Doch zuerst fahren wir offroad in den hohen Atlas auf fast 2.500 Meter Höhe. Wir freuen uns riesig! Reist mit uns mit und schaut auf unserem nächsten Blogartikel vorbei. 

 

Bis bald,

eure Globullis

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Kommentare: 3
  • #1

    Marly (Montag, 03 April 2017 17:30)

    Mir sind die Tränen vor Freude gekommen bei der Beschreibung von Zoes Fortschritten. Einfach unglaublich was Ihr erlebt. Gott segne Euch. In Liebe Marly. Ganz liebe Grüße auch an Eure Begleiter (ich hab' sie gegoogelt - hoffentlich bleiben sie Eure Freunde!)

  • #2

    Monika &King Lui (Montag, 03 April 2017 21:25)

    Tolle Bilder, tolle Erlebnisse, wunderschöne Beschreibung!

    Mann, und Eure Kleine wächst !

    Und ich habe einen Milou für Merlin als Geschenk,
    wenn ihr bei uns die weiße Decke abholt!
    Viele liebe Grüße
    von den Schwa-Bergern
    Monika & King Lui

  • #3

    Globulli-Team (Donnerstag, 06 April 2017 14:51)

    @ Marly
    Hallo Marly, schön wieder von dir zu hören, bzw. lesen :) Ja, es ist wirklich unglaublich schön. Zoe kann gerade jeden Tag mehr und überrascht uns immer wieder auf's Neue. Allerdings muss sie die ganzen neuen "Errungenschaften" dann aber nachts verarbeiten und schläft dementsprechend schlecht. Aber wir wollen uns mal nicht beschweren ;) Wir hoffen, auch euch geht es gut. Viele Grüße aus der Wüste, diesmal aus dem Erg Chebbi.

    @Moni & King Lui
    Hey ihr zwei! Danke für euren Kommentar. Freut uns mega, dass ihr immer wieder auf unserem Blog vorbei schaut :) Zoe ist schon soooo groß geworden. Wir freuen uns schon, wenn wir euch wieder sehen. Und Merlin wird sein Geschenk bestimmt feiern :) Lasst es euch gut gehen!

    Viele Grüße.
    die Globulli-Crew