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Grenzerfahrung beim Offroaden und ein nervenaufreibender Krankenhausbesuch

Todra Schlucht - M'Semrir - Dades-Schlucht - Tinghir (Marokko)

Bock auf Offroad? Dann geht's heute mit uns auf eine spannende Piste :) Aber nicht ganz so voreilig. Starten wir langsam, von Anfang an.

 

Auf unserer Marokko- Tour durften die beiden Schluchten Todra und Dades natürlich nicht fehlen.... dachten wir zu Anfang zumindest. Sie stehen in jedem Touristen-Guide ganz weit oben. Im Nachhinein hätten wir uns diese aber echt sparen können. Ok, die Schluchten waren beide sehr imposant. Aber wenn man so lange Zeit abseits vom Massentourismus und sogar oftmals ganz alleine das wundervolle Hinterland auf einsamen Offroad-Pisten umhergurkt, dann ist so eine tiefe Schlucht, die jeder erreichen kann, nicht mehr wirklich ein Highlight. Dort scharen sich nämlich Touristen-Massen, die mit zahlreichen Bussen bis an die Schlucht heran gekarrt werden. Oder sie fahren selber mit ihrem sehr komfortabel ausgestatteten Luxusliner, das man in unseren Augen schon nicht mehr Wohnmobil nennen kann. Die handelstüchtigen Marokkaner sind natürlich nicht dumm und haben das Marktpotenzial dort schon lange erkannt. Am Straßenrand reiht sich wie an einer Perlenkette ein Stand nach dem anderen auf, an dem man völlig überteuerte Teppiche, "Baba-Hosen" oder Fossilien erstehen kann. Dann gibt's da auch noch ein paar Kamele und Esel, die dem müden (oder faulen) Reisenden das Gepäck tragen dürfen. Sie sind auch für einen kleinen Ausritt zu haben und ansonsten warten sie angekettet in der Sonne auf ihren nächsten Gast.

Nicht, dass nun einer meint, wir hätten etwas gegen Touristen, denn wir sind selbst ja auch welche ;D ... davon lebt das Land. Aber es ist einfach nicht unser Ding und keinesfalls persönlich gemeint. Unser Luxus im Wohnmobil ist nicht etwa die riesige Ledersitzecke, oder der Flatscreen. Wir empfinden es als Luxus, dass Bolle Vierradantrieb hat und eine funktionierende Servolenkung sowie eine Geländeuntersetzung. Und unsere Nespresso- Maschine natürlich...  :D

 

Aber, nochmal zurück zu den zwei Schluchten. Sie waren wirklich beeindruckend und wir haben auch das ein oder andere Foto geknipst. Und statt über die Landstraße von der einen zur anderen Schlucht zu fahren, haben wir die für uns anspruchsvollere Offroad-Querverbindung gewählt. Mei, war das ein Abenteuer!! Und davon möchten wir euch heute erzählen.

Irgendwie ist das Navi heute nicht unser Freund. Wir bekommen einfach kein GPS-Signal. Und das mitten im Niemandsland. Wir haben lediglich die Pistenbeschreibung aus unserem Offroad-Buch. Hilft alles nix, wir müssen improvisieren. Da geht's lang... wir jagen Bolle den Geröllberg hoch. Sieht nach Offroad-Piste aus, wird also schon stimmen. Nach einiger Zeit steilem Bergauffahren kommen uns erste Zweifel an der Richtigkeit unserer Entscheidung. Irgendwie scheinen wir die Piste doch nicht so ganz getroffen zu haben. Der Berg wird immer unbefahrbarer und wir blicken in's Niemandsland. Hier gibt es keine Fahrzeugspuren mehr und die Steine sind wirklich bösartig spitz, sodass wir uns entscheiden, umzudrehen. Aber egal... der Weg ist das Ziel und wir haben nochmal herausgefunden, dass Bolle viel steilere Berge bezwingen kann, als wir es ihm zutrauen. Wir drehen um... ganz langsam und immer schön schauen, dass wir keinen spitzen Stein erwischen. Bolle steigt im ersten Gang dank Motorbremse ganz geschmeidig und langsam den Berg hinab, ohne, dass wir die Bremse betätigen müssen. Zum Glück haben wir im Anschluss daran wieder GPS-Empfang und kommen auf den richtigen Pfad.

Wir durchqueren einen wunderschönen Oued, der zugegebenermaßen ziemlich holprig ist. Dort sind die Felsvorsprünge teilweise so extrem, dass wir mit unserem Kabinendach nur in Millimeterarbeit daran vorbei fahren konnten. Zumindest dort, wo ein Ausweichen nicht möglich war, weil auf der anderen Seite ziemlich fiese und spitze Felsbrocken lagen. Manch ein anderer wäre da vielleicht einfach drüber gebrettert, aber wo es sich vermeiden lässt, sparen wir uns Kamikaze-Offroad. Das mag vielleicht das ein oder andere Mal gut gehen und auch echt Fun bringen, aber die Gefahr von Reifenplatzern ist uns dann doch zu hoch. Wenn es sich vermeiden lässt, fahren wir gerne mit Verstand und schonen unsere Gummis... und somit unseren Geldbeutel ;)

Im Oued kommt uns ganz plötzlich ein Fußgänger entgegen. Wo kommt der denn her?? Wir waren schon einige Stunden unterwegs ohne nur eine einzige Menschenseele zu sehen. Das nächste Dorf ist mindestens 15-20 km weit weg. Der alte Marokkaner winkte uns mit einem breiten zahnlosen Grinsen freundlich zu. Der Mann muss mindestens 75 Jahre alt gewesen sein. Und dann unternimmt er so einen Gewaltmarsch in unebenem grobsteinigem Gelände. Wir blieben neben ihm stehen und er deutete auf seine Schuhe. Wir waren plötzlich ganz entsetzt. Er trug gar keine Schuhe! Unsereiner würde bei diesen spitzen Steinen keine drei Meter wandern können ohne Pipi in die Augen zu bekommen. Und sein Weg ist noch ziemlich lang. Er hatte lediglich Lumpen um die Füße gewickelt, die er mit Bändern fixiert hatte. Wir hätten ihm gerne Schuhe gegeben, aber Daniel's Treter waren ihm viel zu groß. Trotzdem boten wir ihm eine Flasche Wasser, ein paar saftige Orangen sowie ein paar Süßigkeiten an. Seine Reaktion war mega.... er freute sich wie ein Keks, auch wenn wir ihm keine Schuhe gaben! Er bedankte sich mehrfach und stapfte winkend davon. 

Geschafft! Wir haben den Oued durchquert und sind froh, wenn es nun hoffentlich nicht mehr ganz so ruckelig in der Kabine zugeht. Merlin freut sich im Oued aber ganz besonders, denn dann darf er aussteigen und mit Herrechen oder Frauchen im Schritttempo neben Bolle her laufen. Zoe genießt beides... sie mag es wenn Papa sie mal im Oued trägt, während der dicke Bolle langsam neben ihr her fährt. Aber sie findet es auch super, wenn sie hoppelnd neben Papa im Führerhaus auf Mama's Schoß sitzen kann. Dann will sie auch mal beim Lenken und Schalten helfen und klatscht munter in die Hände.

Wir fahren in ein wunderschönes schroffes Tal, in dem die Steine unterschiedliche Farben haben. Einfach traumhaft! Dieses imposante Panorama war im Nachhinein gesehen eines der Highlights auf unserer Marokko Tour. Und zum ersten Mal auf unserer ganzen Reise stießen wir fahrteschnisch gesehen an unsere Grenzen. Zunächst ging es enge Serpentinen hinunter ins Tal. In den Kehren musste Daniel mehrfach rangieren, um die Kurve zu kriegen. Da wurde es Ela auf dem Beifahrersitz schon echt ganz mulmig zumute. Bloß nicht hinunter schauen! Aber das bekamen wir dann noch einigermaßen hin. Es war schon spät und die Konzentration neigte sich langsam dem Ende zu. Zoe war müde und der Geduldsfaden wurde allmählich ziemlich dünn. Nur noch zwei Kurven und dann wollten wir unser Nachtlager aufschlagen. Es kann sich nur noch um Minuten handeln.... dachten wir zumindest! Wir standen vor der vorletzten Kehre und waren plötzlich ratlos. Da kommen wir nie herum! Im Scheitelpunkt war die Piste unbefestigt. Überall lagen Geröll- und Steinbrocken, denen wir nicht trauten, denn daneben ging es einen sehr steilen Abhang hinunter. 

Das allein wäre nicht so problematisch gewesen, wenn sich da nicht die Felsbrocken an der Außenseite der Kurve mauerartig nach oben stapelten. Hier ist es uns unmöglich zu rangieren, es ist einfach zu wenig Platz. Wir stiegen alle aus und begutachteten ungläubig die Kehre. Daniel wurde still und wollte in Ruhe nachdenken. Puh, nochmal alles im Rückwärtsgang retour wäre mega ärgerlich und es war auch schon zu spät. Daniel traf eine Entscheidung. Ela, Zoe und Merlin raus aus dem Wagen. Ela schaut draußen nach dem Rechten, während Daniel in Ruhe und ohne Hektik die Passage alleine fährt. Puhh... das war echt Millimeterarbeit, aber gemeinsam haben wir es geschafft :) Wir sind mega stolz!

 

Wir beziehen unser Nachtlager und lassen den Abend gemütlich ausklingen. Am nächsten Tag entdecken wir zahlreiche Fossilien im Gestein und beschließen, zusammen auf Entdeckungstour zu gehen. Dabei haben wir einige coole Fossilien aus dem Stein geschlagen.

Wir beendeten unsere Tour in Tinghir mit einem mehrtägigen Campingplatzbesuch. Eigentlich wollten wir dort nur Wasser auffüllen und entsorgen, aber es gefiel uns so gut, dass wir spontan verlängerten. Das Wetter war herrlich und ließ Zoe auf andere Gedanken kommen. Die Maus hat mal wieder mit den Zähnchen zu kämpfen und brauchte besonders viel Zuwendung. Da kam ein Pappkarton doch gerade gelegen um ihr ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Sie konnte sich ewig damit beschäftigen. Da sieht man mal.... ein Kind braucht nicht viel Spielzeug. Meistens sind sogar einfache Dinge wie ein Karton zu Hineinsteigen, ein Stück Papier zum Knistern oder Mama's Küchenschublade zum Ausräumen viel interessanter.

 

Leider war unsere gute Laune nicht von Dauer. Nachdem Zoe auf unserem Wohnmobilfußboden gekrabbelt ist, räusperte sie sich plötzlich ständig, als ob ihr etwas im Hals steckt. Sie bekam noch Luft, aber es war ihr deutlich unangenehm. Selbst Essen und Trinken half nichts und sie wurde immer unruhiger. Da stieg in uns schon leichte Panik auf. Hatte sie evtl. eine kleine Klette verschluckt, die aus Merlin's Fell gefallen war? Normalerweise ist der Fußboden immer leer, wenn sie darauf spielt. Wir hatten keine Erklärung und entschieden uns, ein Krankenhaus aufzusuchen. Und an dieser Stelle kommt das Marokko, was wir so sehr lieben. Der Campingplatzwächter war aufmerksam und bekam die Hektik mit. Er zögerte nicht lange und rief einen Bekannten an. Nach ca. 10 Minuten stand ein Marokkaner mit seinem uralten Mercedes vor unserem Wohnmobil, um uns ins nächstgelegene Krankenhaus zu fahren. Wir nahmen dankend an und fuhren auf einer ziemlich holprigen Straße in die nächste Stadt. Es war Sonntag... immer passiert so ein Mist am Wochenende! Der hilfsbereite Marokkaner begleitete uns sogar ins Krankenhaus und übersetzte. Das Krankenhaus war  "stark gewöhnungsbedürftig", um es mal nett auszudrücken. Aber wir sind hier halt in Afrika. Europäischen Standard gibt es hier nur in den modernen Großstädten. Der Arzt, es war der einzige in dem menschenleeren Gebäude mit rosa bemalten tapezierten Wänden, konnte nichts im Rachen finden und ordnete ein Röntgen-Bild an. Dazu musste er den Röntgen-Spezialisten aber erst einmal von Zuhause herzitieren. Puuh, ist Röntgen wirklich zielführend? Wir hatten unsere Zweifel. Zoe war nach der hysterischen Stimmung bei der Leibesvisitation des Arztes zwischenzeitlich total gechillt und kaute munter an ihrem Stück Weißbrot. Sie hat momentan eine ziemliche Arzt-Phobie und möchte sie von keinem Fremden anfassen lassen. Es schien plötzlich wieder alles in Ordnung. Mann wie peinlich.... jetzt wird extra ein Arzt von zu Hause gerufen, während unsere Tochter schon wieder das Grinsen auf dem Gesicht hat. Aber wir hatten Glück (im Unglück) und die Situation klärte sich schnell. Denn nun kam der erste Arzt, um uns mitzuteilen, dass der Röntgen-Arzt in seinem Notdienst nicht an sein Handy ran geht. Afrika pur! Zum Glück... Zoe ging es wieder besser und wir waren auf den Spezialisten nicht mehr angewiesen. Aber was, wenn es wirklich ein Notfall gewesen wäre? Da hätten wir ziemlich blöd dagestanden. Im Nachhinein glauben wir, dass der Übeltäter, es könnte auch ein Keks-Krümel gewesen sein, sich auf der ruckeligen Fahrt ins Krankenhaus selbst seinen Weg in den Magen gebahnt hat. Gott sei dank! 

 

Am Abend staunten wir über den atemberaubenden Sonnenuntergang, der sich uns auf dem Campingplatz päsentierte. Traumhaft schön! Es sah so aus, als ob der Himmel hinter den Felsen brennen würde.... wie eine Höllenglut :)

 

Im Anschluss an unseren Aufenthalt in Tinghir machen wir uns auf den Weg in Richtung Erg Chebbi. Wir wollen wieder in die Wüste! Vor unserer Heimreise müssen wir den Sand noch einmal auskosten... aber davon erzählen wir euch im nächsten Artikel. Wir können nur sowie sagen: Auch beim zweiten Mal in der Wüste hatten wir unvergessliche Momente.

 

Liebe Grüße,

die Globulli's


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Kommentare: 5
  • #1

    Marly (Freitag, 12 Mai 2017 16:46)

    Hallo Ihr Lieben. Wie geruhsam gestaltet sich dagegen unser Urlaub. Bilder wunderschön und der Bericht wie immer spannend und lebendig geschrieben. Beim Anblick der engen Piste ist mir schon schlecht geworden. Die Nerven das Ganze zu fotografieren hätte ich nicht gehabt. Hut ab!!! Alles Gute. Eure Marly

  • #2

    Globulli-Team (Freitag, 12 Mai 2017 21:32)

    Hallo Marly,
    wie schön, wieder von dir zu lesen! :) Ich hoffe es geht euch gut und euer Urlaub ist so schön wie auch sonst immer auf Pag. Ja, das war schon eine sehr enge Stelle, die uns ganz schön Nerven gekostet hat. Freue mich, bald wieder von dir zu lesen. Bis dahin wünsche ich euch eine tolle Zeit, ganz viel Sonne und viel Erholung!

  • #3

    Marly (Sonntag, 14 Mai 2017 08:51)

    Danke für die guten Wünsche. Ja sind jetzt auf Pag. Waren vorher auf Krk. Wir lieben Kroatien. LG bis zum nächsten Mal

  • #4

    Jana (Freitag, 19 Mai 2017 21:01)

    Danke für die schönen Bilder und Worte - es ist so cool "dabei zu sein" weil ihr beide dass so schön beschreibt. Hach ja ���
    Aber langsam wächst auch die Vorfreude euch alle wiederzusehen!!!!!!!!
    Ganz liebe Grüße und Drücker an euch vier!
    Jana

  • #5

    Luca und Carmen (Dienstag, 06 Juni 2017 19:32)

    Hallo ihr lieben Abenteurer, und schon wiederhabt ein Abenteuer und eine "Mutprobe" bewältigt. Wahnsinn wie toll ihr euren Bolle beherrscht und selbst sehr schwierige Straßenverhältnisse bewältigt. Ich weiß nicht, ob ich den Mut aufgebracht hätte. Prima, dass Zoe nichts ernsthaftes hatte. Genießt weiterhin die Zeit und lasst es euch mit gebotener Vorsicht und dem nötigen Respekt gut gehen.

    Wir denken an euch.
    GlG Luca und Carmen