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Snowboarden in der Wüste!

Erg Chebbi (Marokko)

Endlich!! Es geht zum zweiten Mal in die Wüste und wir freuen uns riesig! Nachdem wir nun eine längere Zeit im Hohen Atlas verbracht haben, zog es uns wieder in den großen Sandkasten. Die Wüste hat für uns einfach einen ganz besonderen Charme... ein Hauch von Orient und Wildromantik. Ein bisschen Hippie-Dasein, noch mehr Abenteuer und ganz besonders viel Adrenalin. Merlin und Zoe sind da ganz unserer Meinung, denn im Sand sind sie kaum noch zu halten. Diesmal waren wir alleine unterwegs. Allerdings erfreulicherweise nur bis zum ersten Abend, aber das wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

 

Erst einmal gibt es Mittagessen im Sand, um uns für die große Expedition zu stärken. Wir gehen noch einmal die Route durch und lassen aus Bolle's Schlappen die Luft raus. Um ihn final auf seine Mammut-Tour vorzubereiten gönnen wir ihm noch einen Schluck Öl. Auch unser Bolle ist schließlich manchmal durstig. Und er hat es sich verdient, denn gerade ist er in Topform und hat sich so richtig eingegrooved. Nun geht's endlich los! Irgendwie sind wir ziemlich aufgeregt, diese Expedition alleine zu starten, aber das gehört wohl auch dazu.

 

Life begins at the end of the comfort zone ;)

 

Zur Sicherheit lassen wir Daniel's Mum noch schnell die Koordinaten unserer Tour zukommen. Irgendwie gibt uns das ein sicheres Gefühl. Zumindest weiß sie dann, wo wir uns gerade aufhalten, falls etwas sein sollte. Unsere Tour sollte uns nahe der algerischen Grenze Richtung Norden führen... 220km offroad. Wow! Wir sind glücklich, angespannt und aufgeregt zugleich. Laut Kartenmaterial hat man auf der Tour immer mal wieder die Möglichkeit, eine befestigte Straße zu erreichen. Im Falle eines Zwischenfalls wie etwa einer Panne oder generellem Unwohlsein können wir also abbrechen. Aber wie so oft im Leben (und auf unserer Reise) kam im Endeffekt alles wieder einmal ganz anders als geplant ;) Die große Tour haben wir nie angetreten. Nachdem wir in der Wüste ein völlig durchgeknalltes, zuckersüßes und sehr inspirierendes Pärchen aus Südtirol kennen gelernt hatten, entschieden wir, mit ihnen eine ganze Woche durch die Dünen zu "jackern". Aber jetzt mal ganz von vorne...

 

Anders als beim Erg Chegaga, wo wir noch 40km offroad fahren mussten, um in die Wüste zu kommen, konnte man beim Erg Chebbi von der geteerten Straßen direkt in den Sand abbiegen. Der Spaß konnte also bereits am Nachmittag beginnen und wir hatten somit die Möglichkeit, ein lauschiges Nachtlager im Sand zu finden.  Nachdem wir uns etwas durch die Dünen gewühlt haben und Bolle schonmal über die eine oder andere Düne geklettert ist, fanden wir ein tolles windgeschütztes und (vermeintlich) einsames Nachtplätzchen hinter ein paar Sträuchern. Tja falsch gedacht, denn auf einmal hörten wir aus der Ferne die lauten Geräusche eines anderen Offroad-Trucks auf uns zukommen.  

So lernten wir Kathi und Martin (von uns liebevoll KaMa genannt) aus Südtirol kennen. Die zwei waren in ihrem komplett selber ausgebautem Mercedes Truck mit Namen "Luise" unterwegs. Sie haben übrigens eine Facebook-Reiseseite.

 

Natürlich ist bei einem ersten Kennenlernen unter Reisenden immer die erste Frage, wohin die Reise führt. KaMa's Antwort war für uns sehr inspirierend und zeigte uns, wie durchgeknallt die beiden sind.... und es war der Beginn einer tollen Freundschaft. "Och, wir dachten uns, wir wollen mal mit dem Snowboard eine Sanddüne runterfahren und nun sind wir hier in Marokko..... und als nächstes möchten wir einer Giraffe in Afrika einen Keks geben." ... Einfach genial!

 

Wir entschieden spontan, zusammen die Nacht in den Dünen zu verbringen. Und so musste Bolle nochmal an's Werk... Tschuldigung, alter Mann.

Wir fanden einen super Platz mitten in einem weiten (Dünen-) Trichter und kraxelten erst einmal alle auf die Düne hoch, um den Sonnenuntergang zu bestaunen. Plötzlich zückten KaMa ihr Snowboard... ja, die beiden hatten tatsächlich ihr Snowboard im Gepäck! Sie setzten sich drauf und sausten in einem Affentempo die Sandrutschbahn hinunter. Zoe kam aus dem Staunen nicht mehr raus! Merlin düste sofort bellend hinterher und freute sich seines Lebens. Zusammen hatten wir alle einen riesigen Spaß.  Wir beendeten den Abend an einem gemütlichen Lagerfeuer und erzählten uns lustige Geschichten.

 

Die Zwei hatten schon wesentlich mehr Erfahrung im Sand und scheinbar jegliche Angst davor verloren. Sie steuerten ihre "Luise" grundsätzlich immer in die höchsten Dünen und testeten die Grenzen ihrer Lady, die etwas jünger ist als unser Bolle. Spontan entschieden wir, noch etwas mehr Zeit miteinander zu verbringen.

 

Am nächsten Tag ging es los. Wir pflügten eine Düne nach der anderen. Wir wurden immer mutiger und die Dünen immer höher... bis Bolle beim Kurvenfahren kurz hinter einer Düne für unser Gefühl in eine "gewaltige" Schieflage kam. Wir dachten "wenn wir uns jetzt weiter einbuddeln, kippt unser dicker Sandbolle gleich um". Plötzlich waren wir nicht mehr zu Scherzen aufgelegt und hatten leichte Panik, ob wir unsere fahrbare Einzimmerwohnung nicht etwa in der Wüste zurücklassen müssen. Nun gut, KaMa blieben absolut cool während wir leicht "Pipi" in den Augen hatten. "So ein Schmarrn, ihr kippt noch lange nicht um... alles easy!".... und die beiden hatten recht. Nachdem unsere Sandbleche zum ersten Mal zum Einsatz kamen und wir alle mit Händen und Schaufeln gebuddelt hatten, konnten wir ohne Probleme weiterfahren. Aber trotzdem war uns das eine Lehre. Auch wenn wir immer mit Respekt und Verstand fahren, wurde uns in dieser Situation noch bewusster, wie wichtig es ist, sein Fahrzeug zu kennen und sich vorher den Verlauf und die Bodenbeschaffenheit hinter der Düne genau anzuschauen.

 

Die kurzzeitige Aufregung konnte uns den Tag nicht vermiesen. Zusammen haben wir uns bis an den Fuß der höchsten Düne gekämpft. Was für ein Tag... und vorallem, was für ein Spaß! Im Sand spielen, Burgen bauen und Löcher buddeln ist ja schon toll, aber in seinem eigenen Truck zu sitzen und ihn durch die Dünen zu manövrieren ist noch viel großartiger! 

Zusammen verbrachten wir eine ganze Woche in den Dünen und durchquerten den Erg Chebbi insgesamt zwei Mal von verschiedenen Seiten. Wir bauten Wagenburgen im Sand und sogen jeden einzelnen Sonnenuntergang in uns auf. Wir blödelten in den Dünen, ob mit oder ohne Snowboard. Zoe traf zum ersten Mal aus nächster Nähe auf ein Dromedar und streichelte sein flauschiges Fell. Wir kochten und schlemmten jeden Tag gemeinsam und ließen die Abende mit den witzigsten Gesprächsthemen ausklingen.

 

Vielen Dank für die unvergessliche Zeit! 

 

Bis bald,

eure Globulli's

 


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Kommentare: 2
  • #1

    Marly (Freitag, 26 Mai 2017 18:38)

    Hallo Globullis. Welch Freude wieder einen so fantastischen Bericht zu lesen. Und die Bilder - unbeschreiblich. Toll, dass Ihr das alles erleben dürft. Bleibt weiterhin so offen und neugierig. Eure Vorsicht lasst trotzdem walten. Lasst Euch aus der Ferne umarmen. Eure Marly

  • #2

    Luca und Carmen (Freitag, 02 Juni 2017 19:18)

    Ich melde mich nach einiger Zeit zurück. Was für ein besonders gelungenes und beeindruckendes Bild zu Beginn eures Blog´s. Auch die weiteren Bilder lassen nur annähernd erahnen wie faszinierend die Zeit in der Wüste gewesen sein muss. So kann man etwas nachempfinden wie die Wüste auf euch gewirkt hat. Eine tolle, unvergessliche Zeit, die euch niemand mehr nehmen kann. Wir haben euch lieb.
    Ganz liebe Grüße
    Luca und Carmen