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Der Cirque de Jaffer - ein krasses Offroad Erlebnis!

Midelt - Zaida - Boumia (Marokko)

Zugegebenermaßen.... vor dem Blogartikel haben wir uns lange Zeit gedrückt. Denn mit diesem Bericht wurde uns nochmal ganz deutlich, dass das Offroad-Abenteuer mit unserem treuen Kumpel Bolle hier in Marokko endet. Aber Stopp......

 

Natürlich endet nicht unser Abenteuer allgemein! Und auch unseren Bolle werden wir wohl nie nie wieder hergeben. Allerdings ist dies die letzte geplante Offroad-Tour in Nordafrika. Danach geht's auf die Straße ab in Richtung Europäischem Kontinent. In Marokko konnten wir uns so richtig austoben und wir hatten das "Privileg", an die wundersamsten, bezauberndsten, atemberaubendsten und genialsten Plätze Marokkos zu gelangen. In der EU, für uns speziell in Portugal, wird das Offroad-Fahren in diesem Stil wie wir es lieben, nicht mehr möglich sein. Wir sind schon ein wenig wehmütig...

 

Heute fahren wir in eine grandiose Schlucht, die in einem Talkessel, dem sog. Cirque de Jaffer endet. Cirque de Jaffer - Was für ein vielversprechender Name! Die Offroad-Piste ist für uns fahrtechnisch gesehen, abgesehen von der Wüste, wo das Fahren einfach nicht vergleichbar mit Steinpiste ist, die mit Abstand größte Herausforderung unseres Marokko-Aufenthalts. Der Cirque de Jaffar ist eine verhältnismäßig kurze Piste im Hohen Atlas-Gebirge, die für Fahrzeuge über 2,38m Breite laut dem Offroad-Führer nicht zu empfehlen ist. Naja, wir sind knapp 2,43m breit....also echt grenzwertig. Lange haben wir gehirnt, ob das Sinn macht. Aber schlussendlich wollten wir am Ende nochmal ein landschaftliches Highlight erleben sowie eine anspruchsvolle Strecke fahren.

 

Life begins at the end of our Comfort Zone! - Challenge accepted!

 

Außerdem sind wir mittlerweile so unzufrieden mit unserer Fahrzeuglackierung, dass ein paar Kratzer durch enge Wege mit viel Geäst die ohnehin schon vorhandene Lackierungs-Misere nicht wirklich schlechter macht. Ein paar Kratzer mehr an der Kabinenseite sind für uns nicht schlimm, schließlich ist unser Bolle auch in Gebrauch und steht nicht nur zuhause in der Scheune rum oder nächtigt Tag für Tag auf Campingplätzen. Besondere Ereignisse hinterlassen eben Spuren im Leben, auch auf Bolle's "Körper"... und die paar Kratzer präsentiert er mit Würde und Stolz ;) Die werden so schnell nicht mehr weglackiert, denn sie erinnern uns an eine unvergessliche Zeit zusammen!

So, jetzt kann es losgehen! Wir sind am Startpunkt unserer Offroad-Route angelangt; es war bereits Nachmittag. Für gewöhnlich bevorzugen wir es, am frühen Morgen ausgeschlafen loszufahren, insbesondere wenn Offroad-Strecken viel Geduld und Konzentration erfordern. Aber an diesem Nachmittag fanden wir keinen gescheiten Stellplatz und entschieden uns, schonmal die Tour zu beginnen und in den Oued hineinzufahren. In dem ausgetrockneten Flussbett kann man jedoch nicht schlafen, sprich, wir müssen an diesem Abend den Oued noch vollständig durchqueren. Gewagt... aber let's do this!!!

Wir nehmen den sehr schmalen Weg bergab in den Oued und werden erst einmal in Schockstarre versetzt, als wir eine verendete Ziege kopfüber im Baum hängen sehen. Beim Klettern ist sie wohl abgerutscht und die Arme konnte sich scheinbar selbst nicht mehr befreien. Puh, echt gruselig! Im Oued angekommen stehen wir nach einer schmalen Kurve plötzlich vor einer mega engen Felsspalte, die nicht viel breiter als Bolle selbst ist. Oh je, war das die richtige Entscheidung? Das wird ja spannend ;) 

 

Uns war von Anfang an bewusst, dass wir eigentlich zu breit sind und im Notfall umkehren müssen. Umkehren würde in diesem Fall natürlich bedeuten, dass wir rückwärts fahren müssten... an Wenden wäre hier nicht zu denken!

 

Normalerweise bevorzugt Daniel es, unserem Bolle in schwierigen Passagen lieber in Ruhe und ohne meine Unterstützung durch die Engstellen zu manövrieren. Viele Köche verderben ja bekanntlich den Brei. Aber dieses Mal mussten wir alle im Team zusammenarbeiten. Deshalb stiegen ich, Zoe und Merlin aus, gingen zu Fuß nebenher und lotsten.

 

Puh, das Gelände wurde immer holpriger. Die Steine verwandelten sich in große Felsbrocken. Das haben wir so nicht erwartet und zugegebenermaßen unterschätzt. Wir haben nicht mehr die neusten Reifen drauf. Bolle's Schlappen sind schon knapp 10 Jahre alt und haben in Marokko schon einiges mitmachen dürfen. Nach unserer großen Reise müssen definitiv Neue her. Aber solange sollten sie noch halten. 

 

An dieser Stelle möchten wir unsere Reifen mal ein wenig loben. Es gibt viele Offroader, die ihr Expeditionsmobil mit sündhaft teuren und hochwertigen Michelin XZL Reifen ausstatten... sozusagen das Non-Plus-Ultra, die Luxus-Variante, die zugegebenermaßen echt schnieke aussieht, aber auch seinen Preis hat. Unterdessen fahren wir auf den Reifen, die Bolle bereits beim Kauf drauf hatte, nämlich ganz gewöhnliche Auflieger-Reifen mit Baustellenprofil. Ok, sie sehen nicht so schön aus wie die grobstolligen Michelin ZXL, aber sie sind in Afrika besser nachzukaufen und deutlich günstiger. Auf der Reise haben wir eine Familie getroffen, deren Rundhauber die selben Reifen drauf hat wie wir und die wurden sogar noch um einiges älter. Selbst eine dreijährige Reise bis nach China haben sie ohne eine einzige Reifenpanne überstanden. Andererseits haben wir auch ein Pärchen getroffen, die es sogar geschafft hatten, ihre teuren Michelin-Reifen in die Knie zu zwingen ;)

 

Weiter geht's auf unserer Tour durch den Oued. Die Schlucht wurde Gott sei Dank wieder etwas breiter, dafür die Felsbrocken immer dicker. Teilweise mussten wir beide aussteigen und uns in Ruhe überlegen, wie wir über die Hindernisse ohne Reifen- oder Unterbodenschaden hinwegkommen. Teilweise setzte ich mich hinter's Steuer und folgte Millimeter für Millimeter Daniel's Anweisungen, der draußen stand und in Ruhe hirnen durfte, wann wie das Lenkrad einzuschlagen ist...  Er kennt er seinen LKW in und auswendig und weiß genau, wie man ihn am besten über die Hindernisse manövriert. 

Zugegebenermaßen haben unsere Reifen bei diesem Trip schon arg gelitten. Die großen Brocken haben unsere Flanken ziemlich malträtiert. Normalerweise gilt die Devise, lieber spitze Steine zu überfahren anstatt auszuweichen und dann im schlimmsten Fall die Reifenflanken zu touchieren. Aber dies war nicht immer möglich. Wir haben Blut und Wasser geschwitzt und jeden Moment damit gerechnet, dass es laut "pffffffffffffft" macht und wir einen Cut in der Flanke haben. Und tatsächlich sahen Bolle's Schlappen nach der Tour wirklich nicht mehr ansehnlich aus. Doch bislang halten sie und wenn sie uns bis nach Hause nach Deutschland zurück bringen, werden wir sie feiern!

 

Endlich haben wir den Ausgang der Schlucht und damit das Ende des Oueds erreicht. Plötzlich überholen uns von hinten Motocross-Maschinen und zeigen uns einen Daumen hoch....so nach dem Motto "krass, dass ihr mit eurem breiten LKW diese Strecke fahrt"...  jaaaa, unser dicker Bolle hat es tatsächlich geschafft! Er hat alle Felsbrocken mit Bravour bezwungen!

 

Wir passierten ein paar einfache Nomadenhütten mit ihren großen Vieh-Herden, die uns hinterherliefen und versuchten, uns alles abzuknöpfen was nur möglich ist.  

 

Unser Bolle kraxelte die schmalen Serpentinen aus dem Kessel wieder in die Hochebene hinauf. Dabei war der Weg gerade mal so breit wie unsere Reifen. Daneben ging es fast senkrecht den Abhang hinunter. Das Gestrüpp streifte unsere Kabinenwand. An Zurückfahren war in dieser Situation nicht mehr zu denken. 

Endlich haben wir einen traumhaften Stellplatz gefunden in einer etwas breiteren Kehre. Während ich das Abendessen vorbereitete und Zoe spielte, suchten Daniel und Merlin schonmal das Feuerholz zusammen und stapelten es zu einem Türmchen. Bei geöffneter Kabinentür aßen wir zusammen und freuten uns auf die gemeinsame Elternauszeit am gemütlichen Lagerfeuer, wenn unsere Tochter schlummert. Aber falsch gedacht...... 

 

Plötzlich stand der junger Marokkaner mitte Zwanzig vor uns, den wir bereits in der Nomadenfamilie angetroffen hatten. Er war uns scheinbar gefolgt.

 

"Bonjour" sagte er.

"Bonjour" antworteten wir aus der Kabine heraus.

"Bonjour" sagte er

"Bonjour" antworteten wir

"Bonjour" sagte er.....

 

Wie oft will er denn noch "Bonjour" sagen. Wir fragten ihn auf französisch, was sein Anliegen sei.... er entgegnete nichts außer "Bonjour". Plötzlich setzt sich der junge Mann im Schneidersitz einfach vor unsere Kabinentür und schaute uns zu. Wir waren echt müde und nicht mehr zu großen Konversationen bereit. Aber wegschicken wollten wir ihn dann auch nicht. Das steht uns in einem fremden Land, in dem wir Gast sind, nicht zu, wie wir finden. Also warteten wir, bis der Marokkaner von alleine wieder in seine Nomadenhütte zurück kehrte.

 

Am Ende konnten wir doch noch in Ruhe unser Lagerfeuer genießen und sahen den spektakulärsten Vollmond, den wir je gesehen hatten. Er war ganz tief am Horizont und viel größer als sonst. Seine Krater waren an den Schatten ganz deutlich zu erkennen. Die große dunkelorange Kugel schien förmlich zu glühen. Genial!!!

Am nächsten Tag machten wir uns früh abfahrtbereit. Während Papa nochmal den Ölstand prüfte, spielte Töchterchen Zoe mal wieder Brummi-Fahrerin. Dann machten wir uns auf den Weg...

 

Wir bestaunten die wunderschöne Aussicht auf die schneebedeckten Berggipfel und die bewaldete Landschaft, die in uns schon fast heimische Stimmung hervorrief. Doch die Begeisterung hielt nicht lange an, denn schon bald kamen uns drei halbstarke marokkanische Jungs mit ihren Hunden entgegen. Ihre Fellnasen kläfften was das Zeug hält. Einer der Jungs versuchte uns zu stoppen, indem er unseren Weg versperrte und wollte, seiner Handbewegung nach zu beurteilen, ein paar Zigaretten schnorren. Wir schüttelten mit dem Kopf und wollten weiterfahren. Für mich hatte sich die Situation damit erledigt und ich widmete mich nochmal Klein-Zoe, die munter in ihrem Maxi-Cosi spielte. Dabei hab ich garnicht mitbekommen, dass Daniel immer wieder unruhig in den Rückspiegel blickte. Plötzlich schrie Daniel laut "FESTHALTEN!" und beschleunigte. Was war denn nun los?? Er fuhr üble Kurven und der LKW wippte hin und her.... dann eine Vollbremsung..... und wieder Beschleunigen. Daniel fluchte was das Zeug hält und war sichtlich aggressiv. Erst jetzt erkannte ich die Gefahrensituation. Einer der drei Jungs, nämlich der, der sich uns in den Weg gestellt hatte, kletterte von hinten während der Fahrt auf unseren LKW hoch. Er hielt sich an der Leiter fest, während sein Hund kläffend hinter unserem LKW herlief. Gott sei Dank konnte Daniel ihn abschütteln. Der Marokkaner gestikulierte zwar noch wie ein wildgewordener Affe durch die Luft, aber wenigstens hing er nicht mehr an unserem Schneckenhaus.

 

Im Anschluss waren wir so angespannt, dass wir schnell die Piste verließen. Nichtmal eine Pipi-Pause haben wir uns genehmigt. Alles nochmal gut gegangen. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, dass dies schonmal eine gute Übung für unsere Ausreise aus Marokko sein würde, denn da gab es auch einige Probleme mit den marokkanischen Habstarken. Aber nun geht's erst mal nach Fès. Die Stadt reizt uns sehr und wir möchten sie uns gerne genauer anschauen. 

 

Mehr dazu lest ihr dann im nächsten Blogartikel ;)

 

Bleibt gesund und munter!

 

eure Globulli's :)

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Kommentare: 2
  • #1

    Marly (Mittwoch, 07 Juni 2017 15:21)

    Sind immer noch in Kroatien und haben Zeit Euren langersehnten Blog zu lesen. Haben leider kein gutes Netz. Vorgestern Abend Euren Krimi gelesen. Sollte man vor dem Einschlafen nicht tun ;). Weiß aber, dass es Euch gut geht. Spannend und alle Achtung Ela, dass Du Bolle manövriert hast, obwohl Deine Füße kaum die Pedale erreichen. Die Bilder sprechen für sich. Ohne jemals eine Wüste gesehen zu haben kann ich Eure Leidenschaft dafür nachvollziehen. Die steinigen Wege zu fotografieren zeugt von Coolness!!! Auf das Abenteuer mit den Halbstarken kann man verzichten. Bin gespannt auf den Nächten Blog. Gottes Segen auf all Euren Wegen wünscht Euch von Herzen Marly

  • #2

    Luca und Carmen (Freitag, 09 Juni 2017 19:03)

    Hallo ihr Lieben, euer Bolle ist schon ein treuer Prachtkerl. Ich bin froh, das ihr ihn habt und er auch etwas Sicherheit geben kann. Zum Glück habt ihr die heikle Situation so gut bewältigt, ohne das jemand zu Schaden kam. Ihr seid inzwischen ein eingespieltes Offroad-Team. Mal schauen wie Zoe reagiert, wenn ihr wieder daheim und nicht täglich on Tour seid:-)). Lasst es euch weiterhin gut gehen und genießt die Zeit. Fühlt euch umarmt.
    Wir haben euch leib Luca und Carmen