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Fès, Ostern mal anders und Reisedurchfall

Fès (Marokko)

Wir freuten uns riesig auf Fès! Aus Erzählungen wussten wir, es soll eine sehr moderne Stadt sein und eine unglaublich schöne und große Medina (alter Stadtkern) haben. Wir hatten im Vorfeld viele positive Berichte über die Großstadt gehört... davon wollten wir uns persönlich überzeugen lassen. Auf ins nächste orientalische Abenteuer!

 

Bereits die Hinfahrt war ziemlich aufregend. Nachdem wir unsere (vorerst) letzte Offroad-Tour gemeistert hatten, musste es nun leider wieder Richtung Norden gehen. Das Europäische Festland ruft uns, denn wir dürfen ohne Verlängerung nicht länger als 90 Tage im Land bleiben. Eine Verlängerung kommt für uns nicht in Betracht, denn die Hitze wird so langsam aber sicher echt spürbar und unbequem.

 

Auf dem Weg nach Fès fuhren wir in der Höhe von Azrou durch einen riesigen Wald, in dem tatsächlich wilde Berberaffen leben. Davon wussten wir zuvor nichts und haben es erst wahr genommen, als wir auf der Landstraße durch den Zedernwald eine ziemlich große Menschentraube sahen, die von einem hungrigen Äffchen Besuch bekam. Tatsächlich kommen die süßen Tiere bis an die Straße ran und fressen den Menschen aus der Hand. Sie wissen, dass sie dort gute Sachen zum Naschen bekommen.  Leider hat die kleine Maus die wilde Rasselbande verschlafen.... zu schon wäre es gewesen, ihr die ersten Affen "in freier Wildbahn" zu zeigen. Naja, "freie Wildbahn" zwar schon, denn hier leben die Affen zwar in der Natur ohne Zäune, aber dennoch ist ihr Touristen-Attraktions-Status nicht gerade "natürlich". 

 

Die Fahrt war auch sonst sehr aufregend und auch etwas komisch. So langsam aber sicher fuhren wir aus dem "armen Marokko" heraus hinein in aufwendig begrünte und angelegte Ortschaften mit prunkvollen Häusern. Als wir dann die ersten Golfplätze und sogar einen Porsche sahen, wussten wir: Nun ist nichts mehr auf unserer Reise wie es zuvor war. Unsere Reise durch das "pure" Marokko, das wir so zu schätzen gelernt haben, war hiermit ganz schnell und unverhofft beendet. Das wurde uns in diesem Moment bewusst und wir wurden plötzlich etwas melancholisch. Sehr lange, um genau zu sein 2,5 Monate, haben wir uns im ärmeren Süden aufgehalten haben. Dort war alles.... naja, wie soll man das beschreiben.... einfacher, aber irgendwie auch echter. 

In Fès angekommen entschieden wir uns für den Camping "Diamant Verde". Er liegt ca. 5km entfernt von der Medina und ist sehr schön gelegen. Durch das Gelände fließt ein kleiner Bach und unter den vielen Bäumen konnte man es im Schatten echt super aushalten. Zum Park zugehörig war ein großer und gut gepflegter Aquapark mit rutschen und diversen Abenteuermöglichkeiten für Kinder. Leider war der Park noch geschlossen. "Außerhalb der Saison".whaaaat??? Um diese Jahreszeit ist es zu kalt für den Marokkaner. Die auschließlich europäischer Abstammung herrührenden Gäste können hier nur den Kopf schütteln bei knapp 35 Grad. Sehr ärgerlich, zumal der Park im (hohen) Preis mit inbegriffen gewesen wäre. Trotzdem konnten wir unsere Zeit genießen und haben viel relaxt. Wir haben direkt zu Beginn ein super nettes Pärchen kennengelernt, Irene und Maik. Mit ihnen haben wir in den folgenden Tagen schöne gemeinsame Kochabende verbracht und hatten sehr viel Spaß. Außerdem war es auch mal an der Zeit, unseren Bolle etwas vom Sand zu befreien...wir hatten noch die halbe Wüste mit an Board ;) Ein kleines, aber feines Mitbringsel, was uns wieder an unser unvergessliches Abenteuer erinnern lässt. Bucket-List....Check!!

Was für eine "Bolle"n-Hitze.... wir richteten uns auf dem Platz richtig häuslich ein. Zoes Spielsachen lagen auf dem ganzen Teppich verteilt und wir spannten ein riesiges Sonnensegel darüber, welches wir von Maik und Irene geschenkt bekommen haben. Kurzerhand funktionierten wir Zoe's Spielkiste zu einem kleinen Pool für sie um.

 

Karfreitag....Mal ein etwas anderes Osterfest.... Irgendwie kommt nicht wirklich österliche Stimmung auf in diesem bezaubernden nordafrikanischen Land. Aber garnicht schlimm! Trotzdem durfte Zoe ihr erstes Ostergeschenk auspacken, welches Oma Carmen uns für sie mitgegeben hatte. Sie riss mit großen strahlenden Augen das Geschenkpapier weg und durfte sich über ein tolles neues Buch freuen: Die kleine Raupe Nimmersatt! Na das passt ja zu unserer süßen Maus, die auf der Reise nie Brei gesehen hat, sondern seit ihrem 6. Lebensmonat (neben dem Stillen) regelmäßig das isst, was auch bei Mama und Papa auf den Teller kommt.

Eine tolle Buchidee! Vielen Dank dafür, Oma! Zoe liebt ihre Bücher über alles... jedes einzelne davon. Und dieses bekommt einen Ehrenplatz.

 

Richtig interessant fand sie aber auch die Enten im Bach. Sie haben wie wild geschnattert und sind von Tag zu Tag immer näher an uns heran gekommen. Zoe hat sich beömmelt vor lachen, erst recht, wenn man die Entenlaute nachgeäfft hat. Echt schön zu sehen, wie Kinderaugen die Welt jeden Tag neu für sich entdecken. Wie schön mitanzusehen, wie sich so ein kleiner Wurm über Kleinigkeiten freut, an denen wir als Kinderlose früher einfach vorbei gegangen wären. Faszinierend!

 

Wenn wir an Fès denken, dann gab es im Nachhinein ein besonders schönes Erlebnis, was uns in Erinnerung blieb: eine Begegnung mit der marokkanischen Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit. Aber fangen wir vorne an....

Auf dem Campingplatz gingen uns die Lebensmittel aus, also musste ein Einkaufsladen her. Leider war dieser nur mit dem Taxi zu erreichen. An der Rezeption des Campingplatzes sagte man uns, dass sie kein Taxi rufen können, aber wir sollten einfach vor zur Straße an den Kreisverkehr laufen und da gäbe es zahlreiche Taxen in Richtung Innenstadt. Gesagt, getan.... und wir standen am Kreisverkehr und warteten in brühender Hitze mit Zoe in der Bauchtrage... und wir warteten und standen uns die Beine in den Bauch. Es fuhren zwar immer wieder Taxen vorbei, die allerdings voll besetzt waren. Nach 45 min wollten wir äußerst genervt aufgeben und zurück zum Platz stapfen, als plötzlich eine Mercedes C-Klasse neben uns anhielt. Darin saß ein lächelndes Pärchen mittleren Alters, die uns fragten, wo hin wir denn wollen. Sie wären auf dem Weg in die Medina zum Tee verabredet und würden uns dort hin fahren, wo wir es wünschen. Daniel und ich schauten uns skeptisch an (was für eine typisch deutsche Art) und waren unsicher, ob wir mit Fremden mitfahren sollten. Was, wenn man uns ausrauben oder entführen wollte?? ..... Um ehrlich zu sein... für diese Gedanken müssen wir uns im Nachhinein ein wenig schämen, auch wenn ein gewisse Vorsicht auf Reisen immer gut und gesund ist. Letztenendes blieb uns aber nichts anderes übrig und wir stiegen ein. Eine gute Entscheidung! So lernten wir ein junges und modernes Pärchen kennen, dass sogar kurzerhand ihre "Tee-Party" absagten, um kurzerhand einen Einkaufsausflug mit uns zu machen und uns mit vollen Einkaufstaschen wieder wohlversehrt vor dem Campingplatztor abzusetzen. Und das aus reiner selbstlosen Hilfsbereitschaft, denn Geld wollten die beiden nicht annehmen. Sie luden uns darüber hinaus sogar in Ihr Haus zum Essen ein. Wir sollten uns einfach melden, wann es uns passt. Leider kam es dazu aufgrund unserer Magen-Darm-Misere nicht mehr (mehr dazu weiter unten). Und trotzdem... eine wirklich tolle und offenherzige Begegnung, für die wir sehr dankbar sind! Das ist typisch für Marokko und deshalb lieben wir dieses Land! Aber nun weiter in unserem Reisebericht ;) ....

 

Um in die Stadt Fès einzutauchen, haben wir uns der Einfachheit halber und wegen der kleinen Maus für einen Tag einen Reiseführer sowie ein Privattaxi gebucht. Da haben wir es uns mal richtig gut gehen gelassen :) Für insgesamt knapp 70 Euro wurden wir den ganzen Tag umher chauffiert und durften uns von ihm mit geschichtlichen Hintergründen berieseln lassen. Stillen in der Öffentlichkeit ist in einem muslimischen Land ja nicht ganz so einfach und so konnten wir die Fahrten im Taxi für Zoe's Auszeiten nutzen. Außerdem fuhren die zwei Herrschaften uns zu diversen Geschäften, in denen wir nach einem Ersatzteil für Bolle Ausschau halten konnten. Da Ela's Brille vor einiger Zeit auseinandergebrochen ist und wir sie nur notdürtig geklebt hatten, arrangierte der Reiseführer uns ein Treffen mit einer Optikerin, obwohl die Geschäfte Freitags nachmittags eigentlich geschlossen haben. Kleiner Nachtrag aus Deutschland: Für alle, die sich in Marokko eine Brille machen lassen möchten und meinen, hier richtig Geld zu sparen, den kann ich nur enttäuschen. Zwar kostete die Brille hier nur die Hälfte, allerdings waren sowohl das Gestell als auch die Gläser so miserable Qualität, dass ich zuhause direkt eine neue machen lassen musste. Die Brille hat sich mit der Zeit einfach selbst aufgelöst...sowohl das Plastik als auch das Glas. Also......Finger davon lassen, sonst kauft man zweimal.... es gibt nichts über Qualität "made in good old Germany".

Der Reiseführer selbst war schon echt eine schräge Persönlichkeit. Er kam in einer schnieken Robe mit ultrafeinen Lederschuhen. Darunter trug er Seidensocken, die er bis zum Schienbein hochgezogen hatte. Er war perfekt rasiert (das ist ja typisch für die Marokkaner) und sein Gesicht glänzte wie eine Speckschwarte. Die Koteletten waren perfekt in Form geschnitten und eine Sonnenbrille der Marke Prada zierte sein aalglattes, fast schon kindlich wirkendes Gesicht. Sein Aftershave war, dem Orient angepasst, ziemlich schwer..... was uns den Aufenthalt im Taxi bei der Hitze nicht unbedingt versüßte. Nichtsdestotrotz... er tat einen klasse Job und hin und wieder (wie zB. für dieses Foto) entwischte ihm auch ein Lächeln von den Lippen. Ansonsten war er sehr professionell. Was er übrigens außerhalb der Saison arbeitete, das wollte er uns nicht verraten...

Morgens um neun Uhr ging es los. Zuerst schauten wir uns den Königspalast an. Wahnsinn... es war jetzt schon die Hölle los und gefühlt 30 Reiseführer plapperten wild umeinander.

Ziemlich beeindruckend waren die riesen Tore an der Palastmauer. Ein handwerkliches Meisterwerk! Die Frau des aktuellen Königs kommt gebürtig aus Fès. Deshalb hält sich die Königsfamilie des öfteren in Fès auf. Weiter ging es in Richtung Altstadt und dem blauen Tor. Jede größere Stadt hat eine symbolische und charakteristische Farbe, in der gemalt, geschmückt und gebaut wird. In Fès ist es die Farbe blau.

 

In der Medina leben 200.000 Menschen auf engstem Raum... was für ein Getümmel. Ganz besonders toll fanden wir die engen Gassen, die hier in der Medina labyrinthartig angeordnet sind und in denen man sich leicht verirren konnte. Darin befanden sich unzählige faszinierende kleine orientalische Läden, in denen alles angeboten wurde, was man sich nur vorstellen konnte. Von lebendigen Souks über Kunst bis hin zu Kleidung und China-Gadgets. Mir ging das Herz auf vor lauter Kitsch und meine Riech- und Geschmacksnerven erlebten förmlich ein Feuerwerk an Impressionen! In den Gassen sind lediglich Esel, Pferde und andere Maultiere als Transportmittel zugelassen. Und die haben IMMER Vorrang :) Wenn der Eselführer laut ruft, drückt man sich ganz nah mit dem Körper an die Gassenwand, damit die friedseeligen und trotteligen Huftiere sich dran vorbei drücken können. Was für ein tolles Erlebnis! :)

 

Wir besichtigten die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und auch ein paar "Geheimecken" mit dem Reiseführer. Hier ein paar Bilder- Impressionen von unserer Tour...

Auf unserer Tour statteten wir auch der Ledergärber - und färberei einen Besuch ab. Gegen die üblen Gärbgerüche bekam jeder einen frischen Minz-Stängel in die Hand gedrückt, mit dem sich Zoe eine ganze zeitlang verlustierte. Hier hatten wir eigentlich gehofft, günstige Lederbezüge für unser Sitzgruppenpolster im Bolle zu ergattern.... aber Fehlanzeige! Hier wurden wir uns nach einem langen hin und her und nervigen Verhandlungen nicht einig. Umgerechnet 1000 Euronen verlangte man von uns. Das war ja schon fast eine Frechheit, denn unsere Sitzecke ist wirklich nicht groß . Naja, dann halt nicht. Trotzdem war es sehr interessant mitanzusehen, wie die Marokkaner mit bloßen Füßen in den Bottichen stehen und die Leder bearbeiteten.

Als besonderes kulinarisches Highlight führte uns der Reiseführer in ein äußerst luxuriöses Herrenhaus, welches zu einem Restaurant umgebaut wurde. Natürlich nur für Touristen, denn Einheimische suchte man hier vergebens... also überhaupt nicht unser Ding. Aber das Essen schmeckte wirklich fantastisch!

 

Das war das erste Mal für uns, dass wir in Marokko (gezwungenermaßen) ein feines Restaurant betreten hatten. Wir waren schon oft in Straßenimbissen, haben uns dort aber immer nur eine gut durchgegarte Tajine gegönnt. Hier in Fès wurden wir zum ersten mal mit einem 4-Gänge Menü bekocht. Besonders gut geschmeckt hat uns die "Pastilla", ein traditionell marokkanisches Festessen, welches aus Blätterteig, klein gerupftes Hühnchen und süßen orientalischen Gewürzen besteht. Sehr köstlich!

 

Leider entwickelte sich unser anfangs so begeisternde Aufenthalt ab jetzt ganz unverhofft in eine andere Richtung.... Am nächsten Tag begann leider eine ziemlich "besch....eidene" Misere, mit der wir im Nachhinein betrachtet alle über einen Monat zu kämpfen hatten und uns ziemlich Nerven gekostet hat. Magen-Darm lässt grüßen!

 

Daniel bekam ganz plötzlich starken Brechdurchfall und war so schwach, dass er das Wohnmobil nicht mehr verlassen konnte. Zum ersten Mal wurde es uns etwas bange, denn sein Kreislauf sank so in den Keller, dass er es nach dem Toilettengang schon nicht mehr ins Hochbett geschafft hatte. Glücklicherweise blieben Zoe und ich (zunächst) verschont. Irene und Maik waren uns eine große Hilfe. Sie begleiteten mich und Zoe in die Stadt und zum einkaufen der nötigsten Dinge. Was hätten wir nur ohne sie gemacht!? An dieser Stelle nochmal einen ganz ganz herzlichen Dank!!

 

Aus unseren geplanten drei Tagen Aufenthalt wurde so eine ganze Woche.... Zeit, in der wir warteten, bis sich Daniels Zustand einigermaßen stabilisierte, da er ja die meiste Zeit Bolle fährt. Zwar habe ich auch einen LKW-Führerschein, allerdings hat sich auf der Reise mittlerweile eine klare Aufgabenteilung herauskristallisiert, die uns das Reisen deutlich angenehmer gestaltete: Daniel kümmert sich um Bolle (sozusagen der Herr vom G'scherr) während ich mich auf dem Beifahrersitz um Zoe kümmere. Aber wieder zurück zum Thema....

Daniels Zustand wurde nicht wirklich besser und zu allem Unglück bekamen Zoe und ich nun auch Durchfall und Bauchschmerzen. Nun mussten wir handeln, denn wir sind noch ca. 350 km vom Hafen entfernt und müssen ganz bald ausreisen, um die 90-Tage-Frist nicht zu überschreiten. Noch dazu wollen wir europäisches Festland erreicht haben, falls es sich bei der kleinen Maus verschlimmern sollte.

So ging es mit Bauchkrämpfen und einigen Kilos weniger auf den Rippen hinters Steuer, um langsam aber sicher in Richtung Hafen aufzubrechen. Auf dem Weg haben wir noch Halt bei einer Apotheke gemacht, um für Daniel ein Medikament gegen Parasiten zu holen (Intetrix). Wir hatten aufgrund der anhaltenden Durchfälle die böse Vermutung, dass es kein normaler Reisedurchfall war (was sich allerdings nicht erhärtet hat).

 

Schade, dass wir Fès so abrupt abbrechen mussten. Gerne wären wir in diese faszinierende Stadt tiefer eingetaucht und hätten ein paar Mitbringsel gekauft. Darauf wurde nun nichts. Aber wir werden definitiv wiederkommen!!

 

Im nächsten Bericht berichten wir euch über unsere chaotische und aufregende Ausreise aus Marokko. Um etwas Spannung für den nächsten Bericht aufzubauen: Es lief noch einige Nummern krasser als bei Einreise. Du weißt nicht mehr, was uns bei der Einreise passiert ist? Dann lies mal hier.

 

In diesem Sinne....keep rollin'

Eure GloBullis

 

 

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